Andalusische Nächte sind laut

Maria Merimi

von Maria Merimi

Story

Wir sind nun bei Tag 6 eines echt heftigen Sturmes. Seit 3 Monaten befinden wir uns in Andalusien am Meer auf einem Campingplatz mit dem Namen Mar Azur, Balerma. Das Azul fehlt leider seit geraumer Zeit. Heute war nur grau zu sehen am verhangenen Himmel. Wild schlugen die Wellen des Meeres an die Küste, der Hund wollte auf keinen Fall ans Wasser.

Als wir 2018 zum ersten Mal zum Überwintern hier hinreisten, galt diese Region als die Wärmste auf dem spanischen Festland. Nun müssen wir erleben, dass seit dem letzten Jahr der Klimawandel in diesem zauberhaften Landstrich extrem angekommen ist. All die Unwetter und Überschwemmungen in der Region um Valencia im letzten Jahr sind noch in aller Munde. Die Stimmung ist irgendwie auf dem Nullpunkt. Viele Camper werden krank oder reisen ab. Die Lautstärke des Sturms in der Nacht ist kaum zu ertragen. Meine Ohrstöpsel können das Getöse kaum mildern. Indes schnarcht der Hund gemütlich neben uns im Bett und möchte auch morgens am liebsten nicht aufstehen. Heute früh um 9.00 Uhr habe ich zeitgleich mit meiner Meditationsgruppe in Köln meditiert. Ich möchte wenigstens ein klein wenig Normalität in meinen Alltag bringen. Dem Ausnahmezustand, der hier herrscht, etwas Ruhe und Frieden entgegensetzen. Als ich um 10.00 Uhr aus meiner Meditation komme, stelle ich fest, dass es weder Strom noch Telefon oder Internet gibt. Heute ist einfach alles ausgefallen. Bert ist fassungslos, er hatte sich für heute vorgenommen, seine Arbeit für ein Ehrenamt zu erledigen. Wir sind abgeschnitten vom Rest der Welt. Manchmal muss ich darüber lachen, wie abhängig wir sind von alledem. Und dann erwischt uns der Sturm ganz heftig. Bis zu 120 km/h waren angekündigt und wir wollten es nicht wirklich glauben. Und nun erleben wir es hautnah, wie Vorzelte einreißen oder Markisen aus der Kederleiste gerissen werden. Eben las ich auf einem Zettel am Waschhaus den Text „Hat jemand meine gelbe Spülschüssel gesehen, ich habe sie nur kurz stehen lassen und nun ist sie anscheinend weggeflogen. Bitte auf Platz 138 abgeben, danke!“ Der starke Sturm von gestern dauerte 3 Stunden, in dieser Zeit war keinerlei Bewegung auf dem Platz. Es war aufregend und irgendwie gespenstig. Der Hund hatte Angst und kauerte sich auf dem Bett zusammen. Die Lautstärke des Windes war ohrenbetäubend. Durch die hochgezogenen Rollos konnte ich nach draußen schauen und hatte unser Küchenzelt im Blick. Bert hatte das Zelt mit stabilen Spanngurten befestigt. Trotzdem sah ich, dass es sich bewegte. Es wirkte, als würde es tanzen im Rhythmus des Sturmes. Manchmal schlugen einzelne Sturmböen mit voller Kraft gegen den Caravan, da hatte ich das Gefühl, er sei ein Stück zur Seite geschlagen worden. All das kostete uns Kraft und war anstrengend. Bert legte sich irgendwann zum ängstlichen Hund und beobachtete das Geschehen vom Fenster aus. Jederzeit bereit aufzuspringen, um etwas zu retten, sollte es noch schlimmer werden. Am anderen Tag erfahre ich, dass die Autobahn in Richtung Barcelona gesperrt sei wegen Schneeverwehungen und gestern ein Orkan tobte. Die gute Nachricht ist, dass wir es warm und gemütlich haben und heute sich der Orkan in einen Sturm verwandelt hat. Ab 75 km/h spricht man von einem Sturm, ab 118 von einem Orkan. Schauen wir mal, was die nächsten Stunden bringen.

© Maria Merimi 2026-01-29

Genres
Biografien
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd