Apfelsaft und Adamsapfel

Maria Büchler

von Maria Büchler

Story

Ich war noch niemals beim größten Apfel der Welt, dem Big Apple am Hudson. In Edward S. Martins Buch „The Wayfarer in New York“ wird 1909 die Stadt, die niemals schläft, erstmals so genannt. Darin heißt es, dass New York „einen unausgewogen großen Anteil des nationalen Saftes“ bekäme. Mit diesem speziellen Apfelsaft sei der Reichtum gemeint.

Viel wird gemunkelt, warum die Firmengründer Steve Jobs und Steve Wozniak gerade einen Apfel zu ihrem Logo erkoren haben. Ein Gerücht hält sich hartnäckig. Die beiden hatten zuvor bei Atari gearbeitet. Nun wollten sie sich nicht nur von ihren Anfängen distanzieren, sondern Atari überflügeln und sich als Telefoneintrag noch davor platzieren. May be.

Mir fällt auf, dass das Firmenlogo von Atari zwar wie ein stilisiertes A aussieht, aber eher noch wie der Stamm eines Baumes, in dessen Zweigen der angebissene Apfel gewachsen sein könnte. Dieser Schluss scheint mir nicht so abwegig.

Aus Apple erwuchs der bekannte MacIntosh: War das die bevorzugte Apfelsorte von Steve Jobs? Der Sämling soll seine Entstehung einem Zufall zu verdanken haben, weiß Wikipedia. Entdeckt vom Kanadier John McIntosh konnte sich der Baum wegen seiner kurzen Vegetationszeit und der Kälteresistenz in Ländern mit kühlerem Klima wie Kanada, dem Norden der USA oder Polen behaupten. Noch vor 30 Jahren sei McIntosh immer noch die zweit-wichtigste Apfelart in British Columbia gewesen. Wenn ich mich recht erinnere, hat auch mein Vater einen unserer älteren Bäume mit einem Zweig dieser Sorte veredelt.

Doch lange vor diesen Mutmaßungen steht eine goldene Frucht. Bei der Hochzeit von Peleus und Thetis soll Eris, die Göttin der Zwietracht, zwischen die andern Göttinnen einen Zankapfel mit der Inschrift geworfen haben: „Für die Schönste“. Sie war nämlich verärgert, weil sie zu den Feierlichkeiten nicht eingeladen worden war.

Der Apfel war geworfen, der Königssohn Paris hob ihn auf und griff damit quasi ins Wespennest. Die Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite warben mit Versprechungen für sich. Letztere verhieß dem Prinzen die Liebe der schönsten irdischen Frau. Die aber war bereits mit Menelaos verheiratet. Wie wir wissen, waren die Folgen weitreichend und schwerwiegend, Homer berichtet ausführlich darüber.

Wenn aber jemand mit spitzem Stift drei Worte in einen Apfel ritzt und anschließend damit wirft, sind die Stunden der Frucht gezählt. Sie ist nun zweifach beschädigt und fault rasch dahin: eine Metapher für die Vergänglichkeit der Schönheit, besonders wenn auch noch Eifersucht und Streit dahinter stecken.

Und was ist mit dem Adamsapfel? Ein Bissen der verbotenen Frucht soll Adam im Hals stecken geblieben sein. Er ist der größte vorspringende Knorpel des Kehlkopfes und nur bei Männern sichtbar. In der Pubertät vergrößert er sich, um eine tiefere Stimme zu erzeugen. Wenn sie etwas von uns Frauen wollen, raunen die Männer verführerisch in unser Ohr, wir nutzen den Augenblick – und der Kreislauf schließt sich.

© Maria Büchler 2021-10-03