Assuan und Abu Simbel

Elke R. Richter

von Elke R. Richter

Story

Zwei Tage später sollten wir nach Assuan fliegen. Ein Bus brachte uns zum Flughafen. Wir stiegen ins Flugzeug. Doch ein Flugbegleiter forderte uns auf: »Aussteigen. Die Maschine startet nicht, ein Reifen ist defekt. Wir müssen einen Ersatzreifen aus Kairo besorgen.«

So fuhren wir mit dem Zug nach Assuan. Im berühmten Hotel Cataract bezogen wir unser Quartier. Es war von einem exotischen Garten umgeben. Von der Hotelterrasse hatte man einen prachtvollen Ausblick auf den ersten Katarakt. Auf dem Nil schimmerten die weißen Segel der Boote im Abendlicht.

Tags darauf brachte uns ein Segelboot zur Insel Elephantine. Wir besuchten den Nilometer, der aus römischer Zeit stammte. Von der alten Tempelstadt waren nur Ruinen übrig geblieben. Hier wurde der Gott Chnum verehrt, der Spender des Nilwassers. Weiter ging die Fahrt mit dem Boot zur nördlich gelegenen Lord Kitchener-Insel. Als ich ausstieg, kontrollierte ein Soldat meine Tasche und entdeckte meinen Talisman, einen kleinen weißen Elefanten. Ich hatte ihn von einer Freundin geschenkt bekommen. Der Mann wollte meinen Glücksbringer einstecken. Da protestierte ich laut, sodass die Einheimischen sich um uns scharrten. Widerstrebend gab er mir den Elefanten zurück. Auf der Insel hatte Lord Kitchener einen reizvollen botanischen Garten anlegen lassen. Wir machten einen Rundgang. Aber mir war die Lust vergangen und wir kehrten zum Boot zurück.

Mit der Reisegruppe machte ich einen Abstecher nach Abu Simbel. Vom Assuanstaudamm fuhren wir mit einem Tragflächenboot zum großen Felsentempel, der von Ramses II. erbaut worden war. Vor zweieinhalb Jahren waren die Rettungsarbeiten, die Zerlegung und der Wiederaufbau der Anlage abgeschlossen worden. Zum Glück, denn sonst wäre dieser prächtige Tempel in den Fluten des Nassersees versunken. Nach etwa vier Stunden Fahrt legten wir an der Anlegestelle an. Da der See damals noch nicht seine volle Höhe erreicht hatte, mussten wir ein Stück bis zur Tempelanlage hochklettern.

Schließlich standen wir vor den zwanzig Meter hohen Kolossalstatuen des Pharaos. Imposant war die Halle mit den Pfeilern, die ebenfalls aus Ramses Statuen bestanden. Damals hatte ich einen Fotoapparat von Braun mit den kleinen Blitzlichtwürfeln. Ein junger Mann aus der Gruppe sprach mich an. »Kann man mit dem Ding überhaupt Aufnahmen machen?«, fragte er: »Ich borge Ihnen gerne mein Blitzlichtgerät!« Empört wies ich sein Angebot zurück. Denn ich hatte schon andere Sehenswürdigkeiten damit fotografiert. Leider stellte ich später fest, dass die Innenaufnahmen schlecht waren.

Rechts lag der kleinere Hathor Tempel. Er war Nefertari, Pharaos Gemahlin, geweiht. Außerdem besichtigte ich in einem gewaltigen Felsenraum die Stahlkonstruktion, welche Messgeräte enthielt. Hier wurde die Luftfeuchtigkeit überprüft, die für die Unversehrtheit der Anlage wichtig war.

Am späten Nachmittag brachte uns das Tragflächenboot wieder zum Assuanstaudamm.

© Elke R. Richter 2022-04-30

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