von Franz Herzog
Als ich auf der Insel Flores zum Kraterrand des Vulkans Kelimutu hinaufsteige, bleibt mir fast die Luft weg, aber nicht vor Anstrengung, sondern weil ich eine so schöne Naturlandschaft noch selten gesehen habe. Da liegen drei verschiedenfarbige Kraterseen vor mir, umrahmt von zerklĂŒfteten FelswĂ€nden, in einer Ă€sthetischen Harmonie, die mich ĂŒberwĂ€ltigt. Im Volksglauben sind die Seen die RuhestĂ€tten der Seelen und das Wasser hat in den letzten Jahren immer wieder die Farbe gewechselt. Von tĂŒrkis zu tiefblau, hellgrĂŒn und rot. Geologen haben ihre eigene ErklĂ€rung dafĂŒr: seit dem letzten Ausbruch 1969 dringt Wasser in tiefere Schichten vor und löst dabei verschiedene Mineralien aus dem Gestein, die die Seen umfĂ€rben.
Doch diese vollkommene Szenerie bekommt auf der Insel Lombok Konkurrenz, denn der Ausblick vom Kraterrand des Vulkans Rinjani gilt sogar als schönster von ganz Indonesien. Ergriffen blicken wir hinunter auf die gewaltige Caldera mit dem tĂŒrkisen See, in dessen Mitte sich ein weiterer rauchender Vulkan erhebt, umgeben von erstarrten Lavaströmen. Dahinter der 3726 m hohe Gipfel des Rinjani, der Wohnsitz der Götter. Ein steiler Steig fĂŒhrt uns hinab in den Krater, wo wir am Ufer des Sees unser Zelt aufstellen. Zwei Jahre spĂ€ter ereignet sich im Juli 2018 eine besondere Mondfinsternis. Der Mond im Kernschatten der Erde leuchtet glutrot. Einheimische und Touristen steigen zu diesem Spektakel auf den Rinjani und werden von einem heftigen Erdbeben der StĂ€rke 6,2 ĂŒberrascht, das gröĂere Erdrutsche auslöst. 500 Menschen sitzen in der Falle und mĂŒssen von Helikoptern ausgeflogen werden.
Vor uns liegt der mĂ€chtige Vulkan Tambora auf Sumbawa, der 1815 als einer der gröĂten der Geschichte ausbrach. Nicht nur 117.000 Menschen waren sofort tot, die Sonne verfinsterte sich auf Jahre und verĂ€nderte das Klima weltweit. ErnteausfĂ€lle, hohe Lebensmittelpreise und Hungersnöte waren die Folge, auch bei uns in Mitteleuropa.
Der steile Aufstieg zum Gipfel des Vulkans Bromo auf Java bringt mich an den Rand der Erschöpfung. Die lockere Asche ist von einer harten Kruste ĂŒberzogen, die Leichtgewichtige noch trĂ€gt, mich aber bei jedem Schritt einbrechen und zurĂŒckrutschen lĂ€sst. Endlich oben bietet sich mir ein imposanter Blick in den blubbernden und rauchenden Höllenschlund.
Am nĂ€chsten Tag fahren wir um 3:30 Uhr los, um mit tausend Touristen den berĂŒhmten Sonnenaufgang ĂŒber dem riesigen Vulkangebiet des Semeru und Bromo zu erleben. Hunderte Jeeps stecken im Stau, blockiert von Einheimischen, die angeblich den lokalen Mopedtaxis einen Vorteil verschaffen wollen. Abgasschwaden, Chaos pur und das jeden Tag. Eine unselige Mischung aus fantastischem Naturerlebnis und völlig entgleistem Massentourismus. Doch dieser Sonnenaufgang steht eben auf der to do-Liste der Indonesien-Touristen aus aller Welt und es ist wirklich magisch, wenn sich die VulkanwĂŒste in rötliches Licht getaucht aus den Wolken erhebt.
© Franz Herzog 2020-10-05