Axt werfen

Dorothée Deitert

von Dorothée Deitert

Story

In meinen Fingerspitzen begann es zu kribbeln, als ich die große Sporthalle betrat. Heute wollten wir etwas Neues ausprobieren. Denn anstatt zum Handball oder Yoga zu gehen, stand heute das Werfen einer Axt auf dem Programm.

Bei der Anmeldung am Tresen staunte ich nicht schlecht, als der Guide, der die Einweisung übernahm, im Rollstuhl saß. „So meine Lieben: wenn ihr meine Anweisung genau befolgt, passiert euch nicht dasselbe wie mir.“, er lachte kurz auf. „Nein, das ist natürlich nicht hier passiert.“ Seinen Humor hatte er jedenfalls nicht verloren. „Axtwerfen ist ein sehr sicherer Sport!“, versicherte er. „Es ist Spaß für jedermann/frau…in jedem Alter!“

Mit der Aussage fühlte ich mich sicher. Zumindest, bis der Guide die erste Axt präsentierte und das lange Wurfmesser brachte. Das Messer war echt und auch die Axt war scharf.

Genau wie in der Anleitung hielt ich die Axt in beiden Händen vor dem Körper und holte weit nach hinten aus. Dann warf ich die Axt mit aller Kraft nach vorne in Richtung Zielscheibe. Die Axt flog durch die Luft, prallte am Holz ab und fiel zu Boden. Mist – das war noch nichts. Also gleich ein weiteres Mal probieren. Dieses Mal achtete ich mehr darauf, meine Handgelenke nicht zu verdrehen, sodass die Axt in einer geraden Linie auf dem Ziel aufkam. Leider wieder daneben.

Und dann der entscheidende Hinweis des Guides. „Es kommt nicht auf die Kraft an, sondern darauf, die Axt mit genügend Schwung zu werfen.“ Das hieß also: viel weiter ausholen, dabei die Axt gerade halten, den Oberkörper mitschwingen lassen – ähnlich wie bei sit-ups, nur eben im Stehen – und das Gewicht vom hinteren auf den vorderen Fuß verlagern. Während des Wurfs sich dann noch schön strecken und die Axt letzten Endes eher zu früh als zu spät loslassen.

Nach ein paar Versuchen hatte ich mir auch den letzten Schritt eingeprägt. Ich holte zum Wurf aus und schleuderte die Axt zum wiederholten Mal zur Zielscheibe. Das Leuchten in meinen Augen war riesig als die Axt endlich in der Zielscheibe stecken blieb. Zwar nur am Rand, aber getroffen – juhu endlich!

„Das gefällt mir sehr gut, kommen wir also zur großen Axt.“, leitete der Guide den nächsten Schritt ein. Durch das höhere Gewicht, ließ sich die große Axt noch besser schwingen, als ihr kleinerer Vorgänger. Und dieses Mal traf ich dann endlich genau in die Mitte. Jetzt brachte der Guide noch das Wurfmesser an den Start. Einhändig sollte dieses sein Ziel treffen. Bei mir suchte das Messer die Zielscheibe jedoch vergebens. Zum Schluss gab es noch einen Spaten, auch dieser sollte in der Holzscheibe stecken bleiben.

Nach der Einführung traten wir dann gegeneinander an und spielten um die höchste Punktzahl. Tatsächlich habe auch ich eine Runde gewonnen. Nach einer Weile verließ der Guide die Halle, seine Schicht war zu Ende. „Jetzt geht’s noch zum Basketballtraining.“ Und ich glaube, wer Äxte und Messer werfen kann, ohne seine Beine zu benutzen, für den ist alles andere auch zu schaffen. Nur nicht aufgeben!

© Dorothée Deitert 2021-06-17

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