Kafka hat einmal gesagt:“Im Grunde bin ich ja Chinese“, ich sage: “Im Grunde bin ich Bäuerin”. Und das trifft auch wirklich zu, in Herz und Seele. Auch die materiellen Zutaten sind vorhanden, zu mir gehören jede Menge Tiere, Pflanzen und auch 5 kleine Bäume. Alles en miniature. Minimundus, sozusagen. Ich bin die einzige Riesin auf meinem Hof.
Unbewusst habe ich mir dieses Reich geschaffen, wohl wissend, dass ich nie eine richtige Bäuerin sein kann mit Feldern und Ställen, mit Pferden, Rindern , Schweinen, Ziegen, Schafen, Hühnern, Gänsen, Truthähnen, Pfauen …und was sonst noch dazugehört, ohne Ausnahme. Auch alle umgebenden Wildtiere, die die Nähe der Höfe suchen, bis zu den kleinsten Nagern und den besonders wichtigen Insekten und Gliederfüßern, wären willkommen.
Vielleicht käme ich vor lauter Staunen und Beobachten gar nicht zum Arbeiten, was fatal wäre, weil dies den Hauptsektor meiner Bäuerinnentätigkeit ausmachen würde. Das ist mir Pragmatikerin selbstverständlich bewusst. Es wäre ungeheuer viel Arbeit zu erledigen, und das liebe Viehleben würde an mir meist vorbeigehen. Ein Streichler hier, ein Streichler da, ein paar liebe Worte zu meinen Tieren und Pflanzen, das wärs schon. Dann husch husch: bücken, tragen, fegen, organisieren, Nahrungsmittel aufbereiten, auch im Haus kochen und reinigen, in Ordnung halten, Papierkram erledigen, bestellen, die Übersicht behalten, Feld- und Gartenarbeiten, der Hauskatze eine Geburtsbox bereiten, oh auch den anderen Tieren bei ihren Geburten helfen oder wenigstens nachschauen. Bevor sie Nachwuchs kriegen, sich um einen Stammvater kümmern, die Tiere pflegen. Und alles, was dazwischen anfällt, abgesehen von Sozialkontakten, Tierärzten, Hufschmieden, die unvermeidlichen Menschen, die an meinen Hof kämen, um Tiere zu “entnehmen”, wie es vornehm heißt.
Natürlich müssten auch Ackergeräte, Haus, Hof und Tierunterstände immer wieder erhalten und erneuert werden. Ich bräuchte jede Menge HelferInnen, die wären auch nicht selbstverständlich vorhanden. Wenn ich soviele Tiere halten möchte, müssten zu deren Ernährung Felder bestellt, Wiesen gemäht und deren Gaben geerntet und eingelagert werden. Auch zur Versorgung der Menschen bedürfte es der notwendigen Vorkehrungen, wie Kochen und Einkochen. Lauter “müssten”.
Für einen solchen Traum eignet sich in meinem Fall nur eine reiche Erbin mit entsprechendem Grund und Boden. Weil dem nicht so ist, stehe ich zu meinem Minimundus, in dem kleine Selbstversorgertiere leben, die ich fürs Überleben nur ein wenig unterstütze: Igel, Maus, Eichhörnchen, verschieden große Vögel, Insekten en masse und die Hauskatze, die mich täglich ein- bis zweimal mit ihrem Besuch beehrt, um sich die Gewissheit zu holen, dass ich sie noch liebe. Ihre Augen werden weit, das Fell weich und dicht, wenn ich ihren strammen Körper erfasse und mit erfreuter Babystimme “bist wieder da, meine Süße” sage.
Alles andere ein idealisierter Traum!
© Barbara Riccabona 2022-01-30