von Doris Huszar
Ich sehe zufĂ€llig Julia Leischik im Fernsehen. Söhne die ihre MĂŒtter suchen. Frauen die ihre VĂ€ter suchen. Andere suchen ihre Geschwister. Es wird gesucht und gefunden. Auch mich berĂŒhrt die eine oder andere Geschichte. Ja es rĂŒhrt mich sogar zu trĂ€nen. Eigentlich jede Geschichte. In mir drĂ€ngen sich folgende Fragen auf: Warum suchen eigentlich immer nur die Kinder ihre Eltern und nicht umgekehrt? Habe ich diese Sendungen vielleicht verpasst? Werden wirklich immer alle gefunden? Bzw.gibt es auch Momente wo der Gefundene sagt: Interessiert mich nicht! Oft verbergen sich dahinter richtige Tragödien. Aus dem 2ten Weltkrieg zerrissene Familien, Schulfreunde, die sich suchen und wieder finden. Manchmal sind die gesuchten Personen schon verstorben. DafĂŒr gibt es aber dann Schwestern oder BrĂŒder. Die Familien wachsen und werden neu bereichert. FĂŒr mich verkörpert diese Serie das Gesetz des Wohlstandes: Geld und Besitz werden Dich nicht glĂŒcklicher machen. Geld verstĂ€rkt nur, was schon vorher da war. Keine Einsamkeit, keine Trauer, keine innere Leere wurde jemals durch Besitz geheilt. Das Fernsehteam scheut keine mĂŒhen und Kosten die Personen zu finden. Und im Fernsehen gibt es immer ein gutes Ende. Das macht in mir ein schönes GefĂŒhl. Ich denke nach: Wem will ICH denn einmal wieder sehen? Wem vermisse ich? Gibt es da jemanden? Welche Menschen habe ich aus den Augen verloren? Ich mache dabei eine schreckliche Erkenntnis. Es gibt schon Menschen, die ich vermisse, aber weil sie verstorben sind. Das kann man nicht Ă€ndern. Und ich weiĂ, wo ich sie finden wĂŒrde. Es gibt aber niemanden den ich suchen möchte. Es interessiert mich niemand so sehr, dass ich Julia Leischik schreiben wĂŒrde. Und doch habe ich auch Menschen aus den Augen verloren. Aber das stört mich nicht. Das kann so bleiben. Ich will niemanden aus der Vergangenheit finden. Und ich muss auch nicht gefunden werden. Dies ist ein GefĂŒhl der GleichgĂŒltigkeit, es fĂŒhlt sich kalt aber echt und richtig an. Ich kann das nicht Ă€ndern, auch wenn ich mich noch so sehr bemĂŒhe mir fehlt niemand so sehr von frĂŒher, dass ich nach ihnen suchen möchte. Im Gegenteil. Bleibt doch Bitte alle dort wo der Pfeffer wĂ€chst. Allerdings gibt es einen Menschen, den ich regelmĂ€Ăig treffe. Wir sind einen Katzensprung voneinander entfernt. Wir lesen und hören uns regelmĂ€Ăig. Diese Person vermisse ich sehr und ich wĂŒrde diese Person gerne wieder finden. Bitte melde dich!
Ps.So oft sind es genau die Menschen die wir am meisten vermissen, welche uns am nÀchsten sind und so nahe neben uns leben.
© Doris Huszar 2021-10-15