von SuzukiOma
Diese Worte hört der Döner-Verkäufer meines Vertrauens, denn scharfes Essen ist aus meinem Leben gestrichen.
Micaela Hemesath hat mir durch ihre „Scharfe Geschichte“ wieder in Erinnerung gebracht, wie fürchterlich sich zwei Ereignisse, die mir damals die Luft und in weiterer Folge die Lust am scharfen Essen raubten, in meinem Hirn einbrannten.
Meine Mutter, die ja im Waldviertel aufwuchs, konnte gut und auch g’schmackig kochen, doch alles eher mild. Sie sagte gerne, was einmal im Essen drinnen ist, bringt man nicht mehr raus, nachwürzen geht immer. Leider hatte sie nie genügend Zeit, mir ihre Kochgeheimnisse weiterzugeben. Ich durfte Staubwischen und – saugen, Geschirr abwaschen und einiges mehr, doch am Herd wollte sie ihre Ruhe haben, da war ich nur im Wege.
Nun ja, so war ich nach unserer Hochzeit 1966 diesbezüglich ziemlich unbedarft und begann in den Flitterwochen nach dem gelben kleinen Kochbuch der Kronenzeitung Verschiedenes auszuprobieren. Ein Urlaub, der verwendet wurde, um unsere Zimmer-Küche-Wohnung (Klo und Wasser am Gang) etwas bequemer zu gestalten war die Gelegenheit dazu. Mein Mann, gelernter Installateur, hatte alle Hände voll zu tun. Im Einvernehmen mit der Hauseigentümerin wurde gestemmt und Rohre verlegt, um das kostbare Nass in die Wohnung zu bringen. Außer den nötigen Hilfsarbeiten begann ich nun auch mit dem Kochen. Ein Rindsgulasch stand am Programm und die Einkaufsliste wurde erstellt. Mein Holder meinte, ein scharfer Pfefferoni wäre nicht schlecht dabei. Alles hat wunderbar funktioniert, nur durch dieses rote kugelrunde Ding mitsamt den Kernen war dann plötzlich Feuer am Dach bzw. im Topf. Dieses Gulasch gehörte meinem Mann ganz alleine, denn mir brannte schon beim ersten Bissen die Zunge, was ich absolut nicht als angenehm empfand.
Viele Jahre später waren wir mit einer Gruppe Motorrad-Freunden unterwegs. Jeweils an einem Freitag trafen wir uns im Gasthaus, die Wahl war ziemlich unterschiedlich, um uns bei guter Kost über alle Neuigkeiten auszutauschen. Immer wieder kam jedoch der „Wildenauer” in der Quellenstraße (existiert nicht mehr) ins Gespräch, weil der wirklich gute Gerichte zu erschwinglichen Preisen präsentierte.
Ich entschied mich für ein „Detto”, das ähnlich wie ein Gordon Bleu gefüllt war, nur ohne Panier. Dazu gab es köstliche Beilagen, wie Schwammerlsauce, geröstete Kartoffel und ein kleingeschnittenes grünes Etwas, das mir nach Gurkerln aussah. Voll Begeisterung begann ich zu essen, es schmeckte hervorragend. Nun kam ich zu dem grünen Etwas. Ich schluckte und bekam in der gleichen Sekunde plötzlich keine Luft mehr, der Erstickungstod nahte und Tränen schossen aus den Augen. Für die anderen war es unterhaltsam, denn sie wussten, dass es extrem scharf war und dachten, ich mache nur eine tolle Vorstellung. Aber mir war echt nicht zum Lachen!
Seitdem mache ich bis heute einen großen Bogen um alles, was nur annähernd scharf aussieht.
Verständlich, oder?
© SuzukiOma 2023-03-15