von Gudrun Salzer
Ein müder Schubser an meiner linken Schulter lässt meine komatösen Lebensgeister aufmerken. Mit bleiernen Fingern hebe ich vorsichtig den Polster von meinem Kopf.
Für alle, die das Nachtlager nicht mit mir teilen… Es war an dem Tag als Natascha Kampusch völlig unverhofft aus dem Nichts zurückkehrte. Als man mir unverhofft für zwei Nächte und drei Tage in einem Krankenhauszimmer mit drei anderen Frauen Kost und Logis gebucht hatte. Um dem Wirbel und dem Schmerzgejammer aus den umherstehenden Betten zu entfliehen, waren meine Gehörgänge samt Zubehör und ich unter den Kopfpolster gezogen. Aus unerfindlichen Gründen ist mir dieses Ver-Halten so ans Ohr gewachsen, dass ich es mir bis heute Er-Halten habe.
5.30h- Der Wecker steht kurz vor einer Kehlkopfentzündung. Also der blaue. „Dein Wecker läutet!“ tönt es müde aus der anderen Hälfte des Bettes.
Der Federnturban ist in der Tat ein hervorragendes Mittel, um den morgendlichen Wecker zu ignorieren. Oder vor den schnarchenden Klängen aus dem Nachbarbett zu fliehen. So wie auch vor den selbstgemachten, lärmenden Kindern an einem Wochenendmorgen.
Unidealerweise liegt unser Schlafzimmerfenster direkt entlang der Heimreiseroute der Dorfdisco eingemauert. Besonderen Dank gebührt meiner Schlafmütze, wenn die alkoholisierten Jodelkommandos zu nachtschlafender Stunde geräuscharm an mir vorüberziehen. Selbst, wenn sie sich gegebenenfalls Destillate, Hopfenblütentee und den einen Gspritzen zu viel durch den Kopf gehen lassen.
Auch das römisch-katholische Glockenquartett im benachbarten Gotteshaus lässt mich unbeirrt weitermützen. Die Zuverlässigkeit der akustischen Bettfedernbremse überschreiten zuweilen Donner und Blitz. Und die Sirene, die unseren Nachbarn binnen weniger Momente aus dem Pyjama in die Feuerwehrmontur treibt.
5.31h- unwillig schäle ich meine linke Hand aus der Decke und drücke die blaue Schlummertaste. Fünf weitere Minuten bleiben mir und meinem Kopfpolster. Ich drehe mich auf die andere Seite. Gerade als ich an dem Punkt des genüsslichen Abtauchens in die Welt der Träume stehe, salutiert des blaue „Erwachet!“ Programm erneut in meinen Ohren. Hurtig landen die Finger an der Taste, die somit weitere fünf Minuten Kopfpolsterzeit ermöglichen. Wäre da nicht das pinke Ding.
Pink, rosa, also die Miss Piggy Farben zählen definitiv nicht zu meinen optischen Favoriten. Warum dann ein Weckgerät in dieser Farbe? Und warum gleich zwei?
Ersteres: das Ungetüm weckt Tote auf, also auch mich unter meinem Kopfpolster.
Zweiteres: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Oder Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Rosa kontrolliert blau. Und gemeinsam halten sie die Hand, nein, die Zeiger darauf, dass ich nicht blau mache.
In diesem Sinne- einen guten Morgen. Egal, ob in blau, rosa, pink oder…bunt!
© Gudrun Salzer 2020-05-27