Booster

Doris Neidl

von Doris Neidl

Story

Heute habe ich mir endlich meine Booster Impfung verabreichen lassen. Eigentlich vor allem deshalb, weil ich ins Wirtshaus gehen will. Zum Stafler zum Beispiel, mein neues Lieblingswirtshaus zum MittagsmenĂĽ, sehr empfehlenswert.

Ich gehe gern ins Austrian Center, da fĂĽhlt man ein wenig New York und ich mag es wie man da durch die Impfung geschleust wird. Man fĂĽhlt sich direkt geborgen, bei so vielen Stationen muss man halten.

Bei der Station Arztgespräch fragt mich die Ärztin, ob ich Fragen hätte, aber sie haben sicher keine, weil dritte Impfung. Eigentlich habe ich wirklich keine, aber dann frage ich doch, ob es eh egal ist, wenn man grad die Regel hat, weil weiblicher Zyklus und so. Wurscht, sagt sie und ich dürfe auch so viel Alkohol trinken, wie ich möchte, auch heute. Als ich ihr sagte, dass ich fast nie Alkohol trinke und das für mich irrelevant ist, schaut sie mich an, als würde sie sagen wollen, sollten sie aber. Also, wie gesagt, sie dürfen Alkohol trinken, wiederholt sie, aber was sie wirklich nicht machen sollten, ist Leistungssport. Über diese Information bin ich schon sehr dankbar, weil gerade heute wollte ich mit Leistungssport beginnen, wegen der Bikinifigur und so.

Die Ärztin, die mich impft, fragt mich in welchen Arm, und ich sage, rechter Arm, weil der ist weniger weit vom Herzen entfernt. So ein Blödsinn und sie haut mir die Spritze rein. Das hat richtig weh getan, nicht so wie beim letzten Mal, wo ich gar nichts gespürt habe. Da dachte ich mir schon, dass der Arzt vielleicht ein Verschwörungstheoretiker war und nur so getan hat, als ob er mich impfte.

Als ich nach der Impfung in der 15 Minuten Beobachtungszone sitze und in die Luft schaue, kommt plötzlich ein Rettungsmensch daher und fragt mich, ob eh alles in Ordnung ist. Er schaut mich ganz ernst an. Eigentlich fühle ich mich total normal, aber plötzlich, weil er so ernst schaut, wird mir direkt ein wenig schlecht. Ich merke, wie er mich aus dem Augenwinkel beobachtet. Als ich aufstehe, kommt er gleich wieder daher und fragt, ob er mir behilflich sein soll. Ich muss ganz schön schlecht ausgesehen haben.

Als ich mir dann den Green Pass geben lassen will, sagt mir der Typ, der dort sitzt, er könne ihn mir gleich auf meinem Smartphone installieren. Ich sage ihm, dass ich kein Smartphone habe, und zeige ihm mein Klapphendi. Er schaut mich mit ganz verliebten Augen an und fragt mich, ob ich in der U Bahn Bücher lese? Als ich das bejahe, sagt er: Herzlichen Glückwunsch, Frau Doris. Darf ich Sie vielleicht einmal auf einen Kaffee einladen? Eigentlich nicht, sage ich. Schade, meint er und druckt mir dann den Grünen Pass vier Mal aus, zur Sicherheit.

Beim Hinausgehen muss ich lachen und habe mir gedacht, schön blöd, warum habe ich mich nicht einladen lassen. Soweit ich ihn mit Maske beurteilen konnte, war er voll fesch und sein indischer Akzent hat mir auch gefallen. Naja, next time. Wir brauchen ja sicher noch einige Boosters.

Foto ©DN

© Doris Neidl 2022-04-02