„Auf die nahe gelegene Kohlerhöhe gelangt man durch das Brandtal – ein Seitental des Kremstales. Dort lebte, in einem Steinhaus mit der Hausnummer 4, die Witwe Böhm. In diesem Haus befand sich eine Rauchkuchl mit einer Selchkammer:“, berichtet Christian. Er erinnert sich an einen bemerkenswerten Ausflug in jenes Haus:
„An einem Wintertag – es hatte stark geschneit – stapften der Lebensgefährte meiner Großmutter, Hans Schröder mit dem Forstarbeiter Zierlinger (die beiden hatten sich nach ihrer Rauferei wieder versöhnt) mit zwei Schlitten zur Witwe Böhm, um Speck und frisch Geselchtes für das Gasthaus abzuholen. Ich durfte mit dabei sein und freute mich auf eine tolle Schlittenfahrt talwärts. Der Weg bergauf war etwas mühsam und beschwerlich, im frischen Schnee. Als wir das Steinhaus betraten, gab es eine lautstarke, freudige Begrüßung, bei der sich alle auf die Schultern klopften und laut lachten. Außer der Witwe Böhm waren auch Rosl Zerlinger, eine Landwirtin von der Kohlerhöhe und ein Untermieter, Herr Eschlmüller, der im Keller des Hauses wohnte, anwesend. In der extrem heißen Rauchkuchl, in der es stark nach Geselchtem roch, setzten wir alle uns an den Tisch und es wurde, aus Blechhäferln und alten Kaffeetassen, reichlich Schnaps getrunken.
Rosl, eine begabte Musikerin (sie konnte Gitarre und Geige spielen und sang dazu) musizierte. Eines ihrer Lieder: ‚Ich bin ein Lump, ein Lump, ein liederlicher Lump …‘ ist mir in Erinnerung geblieben. In der bald etwas ausufernden Heiterkeit hat sich mir der Anblick des Herrn Eschlmüller eingeprägt: Er hatte ein verrußtes Gesicht, seine Hände und Arme waren von Schrammen übersät, es fehlten ihm etliche Zähne und er war in Lumpen gekleidet. Das frische Geselchte wurde aufgeschnitten und verkostet, und unser Beisammensein war eine richtige kleine Feier.
Schließlich wurden Geselchtes und Speck auf die Schlitten verladen und los ging’s, talwärts! Bei der rasanten Fahrt verlor Herr Schröder die Kontrolle über seinen Schlitten, wir kugelten in den Schnee und der Schlitten stürzte über eine Böschung in den Brandtalbach. Das schwarze Geselchte lag irgendwo im weißen Schnee und wir hatten zu tun, die Stücke wiederzufinden. Es war schon finster, als wir dann ins Wirtshaus, wo alle schon auf das Geselchte warteten, zurückkehrten.
Als ich etwa 50 Jahre später jenes Haus im Brandtal, das zu dem Zeitpunkt schon lange verlassen war, wieder betrat, roch es dort immer noch stark nach Geselchtem, von den völlig verrußten Wänden …“
© Roswitha Springschitz 2026-04-19