Bevor sie sich weiter beraten konnten, hörten sie draußen Schritte – schwer, zielstrebig, mehrere Männer. Lyriel drückte Brimor reflexartig in den Schatten zwischen den Werkbänken.
»Wir haben Gesellschaft«, stellte sie das Offensichtliche fest.
Die Tür ging auf. Drei Gestalten traten ein, mit dunklen Kapuzen und groben Stöcken bewaffnet. Sie sahen sich kurz um, dann einer: »Die Kisten sind weg. Jemand war hier.«
Brimors Hände ballten sich zu Fäusten. Lyriel legte ihm warnend eine Hand auf den Arm. »Nicht jetzt. Wir hören erst zu.«
»Der Schmied will die Tafel bis morgen haben«, zischte ein zweiter. »Sonst platzt der ganze Plan.«
Brimor und Lyriel tauschten einen Blick. Ein Schmied also – das erste klare Ziel.
Sie verharrten reglos, während die Männer nach einem kurzen Gespräch wieder verschwanden. Erst dann atmete Brimor hörbar aus.
»Ein Schmied«, murmelte er. »Das ergibt Sinn. Wer sonst könnte aus einem Meisterwerk Profit schlagen, außer indem er es einschmilzt?«
Lyriel nickte. »Und wir wissen jetzt, wo wir suchen müssen. Aber …« – sie grinste breit – »erst mal solltest du lernen, wie man leise bleibt. Du atmest, als würdest du gleich in ein Horn blasen.«
Brimor verzog den Mund, aber in seinen Augen lag ein Funken Entschlossenheit.
—–
Der nächste Morgen begann hektisch. Händler schrien schon früh ihre Preise über den Markt, Karren rumpelten über das Pflaster, und ein beständiges Summen von Stimmen erfüllte die Straßen. Doch Brimor hörte kaum hin. Er ging neben Lyriel her, die weiterhin mit lässiger Eleganz durch die Menge schritt.
»Also«, begann sie, während sie sich eine Weintraube von einem vorbeigehenden Obststand stibitzte, »wir haben einen Schmied, eine Buchungsliste und ein paar finstere Gestalten, die sich aufführen wie Anfänger. Aber wo fangen wir an?«
Brimor kraulte nachdenklich seinen Bart. »Wenn der Schmied wirklich dahintersteckt, wird er Spuren hinterlassen haben. Metalle verschwinden nicht einfach so. Er braucht Material, Öfen, Lieferungen. Irgendjemand muss das bemerkt haben.«
»Du denkst zu praktisch«, grinste Lyriel. »Aber gut, ein bodenständiger Kopf kann manchmal nützlich sein.«
Noch ehe Brimor schnauben konnte, winkte ein schmächtiger Bursche aus einer Seitengasse ihnen zu. Er hatte das nervöse Gesicht eines Straßenläufers, der mehr Informationen als Ehrlichkeit im Gepäck hatte.
© Kreative-Schreibwelt 2025-11-28