Das Durchfall-Dilemma

Caecilie_Klimt

von Caecilie_Klimt

Story

Mein absoluter Lieblingsteil in Zeitungen sind die Kolumnen, die einen realistischen, aber auch humorvollen Blick in den Alltagswahnsinn einer Familie erlauben. Das zu lesen habe ich schon immer gemocht. Also habe ich mich (als ich überlegt habe, worüber ich hier denn überhaupt schreiben könnte) mit meiner Mutter zusammengesetzt und gemeint: „Erzähl doch mal was aus meiner Kindheit.“ Ich dachte schon, dass sie womöglich die eine oder andere witzige Geschichte auf Lager hätte, bei drei Töchtern die früher das Chaos in Person waren. Ich finde die folgenden zwei Rückblicke verdienen auf jeden Fall ihre Erwähnung. Natürlich erzähle ich nicht, welche Tat von welcher Tochter begangen wurde. Das wäre ja sonst peinlich… für meine Schwestern.

Die erste Geschichte bezieht sich auf den sehr eingängigen Titel, bei dem ich mir unschlüssig war, ob sich „Das Durchfall-Dilemma“ oder „Die Schwimmbad-Vollsperrung“ besser eignen würde. Wer jetzt eins und eins zusammenzählt, kennt im Grunde die Pointe der Geschichte, aber ich werde sie trotzdem nochmal erzählen.

Wir sind früher oft mit der Familie in das Urlaubsresort “CenterParcs” gefahren. Wer das nicht kennt: Riesige Ferienanlagen die es mehrfach in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gibt. Der Park besteht aus unendlichen Reihen kleiner Häuschen und Bungalows, in deren Zentrum ein großes Gebäude mit Restaurants, Geschäften und natürlich einer großen Schwimmbad- und Wasserwelt steht. Und für uns war das Rutschenparadies d i e Freizeitaktivität schlechthin. Besonders praktisch für unsere Eltern waren die kleinen, hellorange-leuchtenden Rettungswesten, die der Park kostenlos verliehen hat. Da hat man uns einfach reingesteckt und konnte uns sorglos auf die anderen Menschen und die Schwimmbecken loslassen. Alles super – bis der Tag kam, an dem eine hier ungenannte damals 4-jährige Person zu viele Pommes und Dino-Nuggets gegessen und dadurch mit Verdauungsproblemen zu kämpfen hatte. Leider haben sich die Auswirkungen des Ganzen erst gezeigt, als besagtes Kind schon fröhlich im großen Familienbecken herumplantschte. Wie bei einer Ölkatastrophe auf offenem Meer, konnten die anderen Besucher mit Schrecken beobachten, wie langsam aber unaufhaltsam eine braune Masse von dem schwimmenden, orangenen Zwerg ausging und sich im Wasser verteilte. Erst als die ersten Menschen panisch das Becken verließen, erkannte meine Mutter von welchem Sprössling die Gefahr ausging. Sie meinte sie hätte sich niemals mehr in ihrem Leben geschämt, dem zuständigen Bademeister Bescheid zu geben. Das Ende vom Lied war eine Vollsperrung des Schwimmparadieses für ganze zwei Tage, da man das Becken aufgrund der Menge und Flüssigkeitsgrad des Unfalls Grundreinigen musste. Aber ein positives hatte das Ganze: Die beim Unglück getragene Schwimmweste durften wir behalten, die schließlich als “brauner Gürtel“ in die Familiengeschichte eingegangen ist.

© Caecilie_Klimt 2021-04-26

Hashtags (optional)