DAS EINE im Wald

Daniela Jud

von Daniela Jud

Story

Mein 20. Geburtstag stand ins Haus und ich freute mich darauf. Mein Freund war ein bisschen älter und ein Romantiker. Seinem Sternzeichen machte er alle Ehre, denn Fischen sagt man eine gewisse Verträumtheit nach. Das stimmte bei ihm, und seinem Geburtstagsgeschenk für mich, auf jeden Fall…

Er teilte mir ganz stolz mit, dass er eine Überraschung für mich hatte und wir machten uns auf den Weg Richtung Wald. Die Abenddämmerung zog ein und es wurde dann recht schnell dunkel, was im Wald ziemlich gruselig sein kann. Der Vollmond leuchtete uns den Weg. Plötzlich sah ich Licht an einer Abzweigung, so als wäre dort Feuer. „Oh mein Gott, da vorne brennt es“, sagte ich panisch. Doch mein Freund lächelte nur und meinte: „Oh, es ist fertig, super.“ Ich verstand seine Reaktion nicht. Es brannte im Wald und er meinte, etwas sei fertig? Ratlos starrte ich ihn an. „Komm, das ist deine Überraschung“, erklärte er mir, nahm meine Hand und wir liefen los. Je näher wir kamen, umso beeindruckter wurde ich. Er hatte Fackeln aufgestellt, zu einem Herz geformt aufgestellt. In der Mitte war ein großes „Bett“ aus Polster. Wunderschön alles anzusehen, es rührte mich sehr. Wir legten uns hin, ich war sprachlos, denn ich hatte mit so etwas nicht gerechnet. Er holte einen Picknickkorb und zauberte daraus Leckereien und eine Flasche Sekt hervor. Selbst an Decken hatte er gedacht, falls uns kalt werden sollte. „Happy Birthday, mein Schatz“, flüsterte er mir zu, während ich dalag, in den Himmel starrte und aus dem Augenwinkel die Lichter flackern sah. Ich genoss den schönen Moment, drehte mich zu ihm und er sagte: „Ich liebe dich.“ Ich antwortete, was er hören wollte: „Ich dich auch“, doch ich meinte es nicht ernst. Das wurde mir zu diesem Zeitpunkt das erste Mal bewusst. Nicht der beste Moment ihm das mitzuteilen. Ich liebte ihn nicht aus tiefstem Herzen, doch ich sagte es ihm als „Belohnung“. Ich fragte mich, ob ich jemals einen Mann treffen würde, bei dem ich es nicht nur sagen, sondern auch fühlen würde. Zum Glück erkannte er den Unterschied nicht und freute sich, dass ich ihn bestätigte. Wir küssten uns leidenschaftlich und ich ließ ihn wissen, dass er jetzt lieber die Decken auspacken sollte, sonst würde uns kalt werden, da jetzt nach und nach die Kleidungsstücke fielen…

Unsere Körper ergänzten sich, wenn wir uns liebten, dann waren wir eins, endlich, DAS EINE. Doch er tat etwas, das den Moment zerstörte. Er schaute mich an und fragte: „Willst du mich heiraten?“ Ich dachte ich habe mich verhört und wollte anfangen zu lachen, doch sein erwartungsvolles Gesicht verriet mir, dass es kein Scherz war. „Du meinst das Ernst?“, versicherte ich mich lieber. Da griff er zum Korb und holte eine Schmuckschatulle heraus. „Ja, es ist mein Ernst“, und öffnete das Schächtelchen. Ich traute meinen Augen nicht, da blitze ein Ring heraus. Er hatte alles geplant. Ich war entsetzt und wusste nicht, was ich sagen sollte, denn ein JA fühlte sich nicht richtig an…

© Daniela Jud 2021-02-27

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