von mirli
Ich bin für alle Näharbeiten in der Familie zuständig. Und deshalb brachte mir meine Tochter ein Strick-Jackerl von meiner Enkelin Sandra zum Reparieren. Es waren beide Ellenbogen stark durch gewetzt. Dachte mir, das ist nur eine Kleinigkeit, da werde ich rechts und links die Ärmel mit einem Lederfleckerl verschönern, dann ist das Jackerl wieder wie neu. Habe mich gleich an die Näharbeit gemacht. Nur leider habe ich mich verschätzt und es war keine Kleinigkeit.
Nachdem die Reparatur der Ärmel nicht so gelungen war, wie ich es mir vorgestellt, habe ich begonnen die Ärmel zu trennen, um ein Gilet daraus zu machen. Musste aber feststellen, ohne meine Freundin Franziska geht da gar nichts. Nach längeren hin und her haben wir es mit vereinten Kräften geschafft, dass aus dem Jackerl dann doch noch ein Gilet wurde.
Meine Tochter und mein Schwiegersohn hatten mich an einem Samstag in ein Restaurant eingeladen. Voll Stolz habe ich das überarbeitete Jackerl, welches doch noch ein Gilet wurde hergezeigt.
Aber jetzt kommt’s. Der Stolz hat nicht lange angehalten. Als meine Tochter Silvia das Gilet sah, war sie entsetzt: Mutti was, ist Dir da bloß eingefallen was hast Du Dir gedacht? Wie konntest Du die Ärmel entfernen? Jetzt kann man das Westerl nur noch wegwerfen!
Nach diesem Aufschrei hat mir das Essen nicht mehr geschmeckt. Zu guter Letzt kam noch die Ansage, ich möge die Sandra lieber heute nicht mehr anrufen, denn sie ist nicht gut gelaunt!
Jetzt war ich endgültig am Boden zerstört, ich war fast eingeschüchtert!
Kurze Zeit darauf als meine Enkelin das E-Rad welches bei mir eingestellt, abgeholt und da habe ich ihr die unleidliche Geschichte von dem Strick-Jackerl, welches jetzt ein Gilet ist erzählt.
Mein Lieblingsenkelkind (habe nur das eine), hat nur gelacht. Hat es anprobiert und zu ihrem Mann gesagt: Roman schau, passt mir doch gut. Danke, Omi und übrigens Gilet habe ich sowieso keines”.
Ich kann nur sagen: Ende gut, alles gut!
© mirli 2022-03-08