von CharlieWinter
Der Wortschatz eines Kindes wächst rasant. Und nein, ich meine nicht den in den ersten drei, vier Jahren, sondern eher den, der danach kommt. Gerade noch süß verhaspelt und niedliche Babywörter, folgt bald die Ernüchterung. Spätestens ab der Einschulung darf man sich auf neuen Wörter, Wortkreationen und auch komplette Neuschöpfungen freuen. Allerdings kommen die oft nicht von außen, wie ich inzwischen gelernt habe.
Nein, die Schule und das Lernen scheinen bei Kindern einen Schalter umzulegen und plötzlich hören sie ihren Eltern zu. Vor allem dann, wenn man sich selbst nicht bewusst ist, dass einen das Kind gerade belauscht. Und nein, ich rede hier nicht von Schimpfwörtern, die sich die Kleinen bei einem abschauen, bzw. –hören. Ich rede hier einfach von Wörtern, die dann plötzlich in einem völlig anderen Kontext wiederauftauchen, mit etwas Glück sogar richtig verwendet, mit viel Glück völlig falsch benutzt.
Beispiel? Kind sollte das andere Elternteil zum Essen holen. Tat es auch. Mit den Worten: „Das Essen ist gespawnt!“ Ja, gespawnt. Es hat sich einfach aus dem Nichts auf dem Tisch materialisiert. Dem geneigten Lesenden und mir, und auch dem anderen Elternteil und eigentlich auch dem Kind, ist natürlich klar, dass dem nicht so ist. Allerdings stimmte, zumindest grob, der Gebrauch des Wortes.
Auch Redewendungen, typische Elternsätze und allerlei andere Dinge die man so den ganzen Tag sagt bekommt man spontan vom Kind an den Kopf geworfen. Mit voller Wucht und gerne völlig unerwartet. Wie ich, als ich mich nach einem wirklich doofen Arbeitstag beim anderen erwachsenen Familienmitglied ausheulte und das Kind vorbeilief, mich ansah und trocken meinte: „Ich höre nur Mimimi.“ Der Moment wo ich zwischen einem entsetzten „Das hat es jetzt nicht gesagt?!“ und einem glücklichen „Es hat meinen Humor geerbt!“ geschwankt habe. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass die Humor-Seite schließlich gewonnen und ich herzlich gelacht habe, oder?
Zurück zu den „Basics“, oder dem allseits beliebten „Denglisch“! Dinge sind nicht mehr toll, sondern „echt nice“. Es gibt „das Off“ als offiziellen Ort in der Wohnung und wenn ich dich im Duell geschlagen habe geht das definitiv „in your face“! Aber alles ist nur „random stuff“, wenn man bedenkt, dass die Kommunikation das Wichtigste in einer guten Beziehung ist. Und niemand schreibt einem ja vor, wie die mit wem zu sein hat. Immerhin begrüßte man ja auch seinen eigenen Chef eine ganze Weile vermummt mit Getto-Faust, weil es zum guten Ton gehörte.
Was lernen wir daraus? Nichts. Die Welt dreht sich weiter, „glitcht“ hier und da etwas, aber das stört kaum. Solange man die nächste Zwischensequenz mit den Liebsten genießen kann, sollte man ein Auge zudrücken, Kinder Kinder sein lassen und sich das ständige Mimimi-die-Sprachkultur einfach mal in den „But“ stecken. In diesem Sinne: Tschau Kakao.
© CharlieWinter 2022-08-20