von Clara Wüst
Das Internet und diese Vorsätze
Erwachsene regen sich ständig über die „jungen Leute“ auf, die sich von Social Media beeinflussen lassen. Bis vor einem Jahr hätte ich mitgemacht.
Wen interessiert denn, was andere machen? Ich bin eben ich.
Tja, so würde jeder gerne denken, oder? Leider hat sich das in den letzten Monaten geändert. Ich habe nämlich einen Zugang zu YouTube bekommen, für 40 Minuten am Tag. Und selbst das ist schon zu viel.
Ich gucke mir zwar keine Fotos von operierten Models oder schicken Autos an. Das interessiert mich nicht. Ich schaue mir lieber Videos von Künstlern oder Schriftstellern an. Meist durchforste ich auch Blogbeiträge von Autoren, die Tipps zum Schreiben geben. Die haben teilweise schon acht dicke Fantasybücher geschrieben. In einem Jahr. Und da denke ich mir:
Das will ich auch schaffen!
Dann versuche ich es. Und scheitere unzählige Male. In meinem Kinderzimmer türmen sich Berge von Manuskripten und Charakterbögen. Manchmal glaube ich, ich bin nicht zum Schreiben geboren. Ich kann das nicht. Ich kann das nicht. Ich kann das einfach nicht.
Aber dann wiederum sind da diese kleinen Erfolge. Zum Beispiel, als ich einen netten Kommentar auf eine Story von mir bekommen habe. In diesen Momenten fühlt es sich an, als könne ich es doch.
Letztes Jahr hatte ich einen Vorsatz: So gut zu sein wie die anderen. Das auch zu schaffen. Eine Autorin zu sein.
Dieses Jahr habe ich einen neuen Vorsatz. Einen besseren. Nämlich die kleinen Erfolge zu feiern. Denn mir ist nicht bewusst gewesen, dass ich ja schon eine Autorin bin! Genau jetzt.
Das ist auch der Grund, warum ich schreibe.
Es heißt nicht mehr: Ich will das auch schaffen.
Es heißt: Ich habe das schon längst geschafft.
© Clara Wüst 2024-11-21