Im fernen Afrika lebte ein Elf, der nichts lieber tat, als zu fliegen; möglichst lange und weit flog er und bemerkte irgendwann, dass seine zwei zarten, durchsichtigen Flügel viel zu klein waren für weite Strecken. So grübelte er und dachte einige Zeit nach; beobachtete Vögel und Schmetterlinge und kam zu dem Schluss, dass er, wie so mancher Schmetterling oder Vogel, deren Flugkünste er bewunderte, viel größere Flügel benötigte. Er beschloss, sich große Flügel selbst zu bauen.
Das war gar nicht so einfach; schließlich entdeckte er die dünne, biegsame Rinde eines ganz speziellen Baumes und befand sie für geeignet. Aus der Rinde schnitt er, mit spitzen Steinen, die großen Flügel aus und bemalte diese dann in allen Regenbogenfarben. Das konnte er nämlich, da er schon öfter ins Reich der Farben und Klänge gereist war und somit selbst über alle Farben verfügte. Der Elf war sehr zufrieden und glücklich mit seinen wirklich wunderschönen neuen Flügeln. Und er wählte einen ganz besonderen Tag, um die Flügel zu testen.
Gleich nach Sonnenaufgang legte er die Flügel an, bewegte sie sacht, sang dazu ein Lied und erhob sich in die Lüfte …’Was ist denn das für ein komischer, großer Schmetterling?‘, dachte der große Löwe, der, nach seiner Nachtruhe sehr hungrig umherstreifte, auf der Suche nach einem leckeren Frühstück. Sehr schnell stellte er fest, dass dieses Wesen kein Schmetterling war; vielmehr ein sicher sehr zart und gut schmeckender Elf. Leise schlich er näher an den langsam dahinflatternden Elf, der das große Raubtier nicht bemerkte. Und dann: ein Satz und der Elf verschwand im riesigen Maul des Löwen.„Hilfe!!!“, schrie der Elf, dessen Flug nun so jäh beendet war und der sich im dunklen Maul des Löwen wiederfand. Und irgendwie wurde scheinbar sein Hilferuf erhört, könnte man sagen.
Denn im nächsten Augenblick erblickte der Löwe, dieses große Raubtier, einen unglaublich schönen Springbock, von gutem zarten Fleisch und öffnete sein Maul wieder. ‚Du bist das beste Frühstück, das ich mir wünschen könnte!‘, dachte er. Dieser Moment hatte genügt, dass der Elf aus dem maul des Löwen fliegen und das Blickfeld des Löwen verlassen konnte. Mit klopfendem Herzen saß er nun im hohen Steppengras und erholte sich von dem großen Schrecken.’Danke!‘, sagte er zu sich. ‚Das ist jetzt wirklich noch einmal gutgegangen!‘
Seither fliegt der Elf nicht mehr nach Sonnenaufgang, sondern nur noch bei Vollmond, gemeinsam mit den anderen Elfen.
Und die Moral von der Geschichte: Wenn du um Hilfe rufst, in deiner tiefsten Verzweiflung, wird dir geholfen!
© Roswitha Springschitz 2026-03-11