von Lars Hilsmann
Heute war es soweit. Das erste Mal war ich mit meiner Tochter alleine. Als Vater drĂŒckt man sich dann doch mal vor der Verantwortung und hört nur halb zu, wenn einem etwas erklĂ€rt wird.
Nun wurde es ernst. Ich kam von der Arbeit und meine Freundin kam mir schon mit einem Grinsen entgegen: âSie hat gerade in die Hose gemacht. Viel SpaĂ!â âGanz tollâ, dachte ich. Wie mache ich das denn jetzt? Ich war auf mich allein gestellt. Mache ich noch die Krawatte ab? Kann da was dran kommen? Fragen ĂŒber Fragen und jetzt fing sie auch noch an, zu schreien. Ăberforderung stellte sich ein.
âNĂŒtzt ja nichtsâ, dachte ich mir. Also nahm ich meine Tochter und legte sie auf die Wickelkommode. Zuerst guckte sie mich verwirrt an nach dem Motto: âWieso machst du das denn jetzt?â, aber dann begann sie zu grinsen, als wenn sie mir auch âviel SpaĂâ wĂŒnschen wĂŒrde. Ich zog also ihre Hose aus und knöpfte den Body auf. Sie begann noch mehr zu grinsen, weil sie wohl schon wusste, was mich erwarten wĂŒrde. Alles war voll. Wahrscheinlich hatte sie sich alles fĂŒr mich aufgespart. Ich hatte alles bereitgelegt und benutzte fast die ganze Packung FeuchttĂŒcher. Und wo jetzt damit hin? Neben der Wickelkommode stand ein BehĂ€lter. Einfach da rein. Jetzt nur noch die neue Pampers anziehen. Aber wie rum ist es richtig? NatĂŒrlich hatte ich sie erst falsch drum gemacht. Puh, endlich geschafft!
Jetzt war sie auch wieder zufrieden oder etwa nicht? Kurz nachdem ich fertig war, bekam ich einen Anruf: âUnd? Alles geklapptâ âJa, jaâ, antwortete ich. âAlso wenn sie Durst hat, ist Milch im KĂŒhlschrank. Die musst du nur noch warm machen. Der BehĂ€lter dafĂŒr steht neben der Mikrowelle.â Jetzt schlĂ€ft sie zum GlĂŒck. NĂ€chstes Mal muss ich wohl besser zuhören.
© Lars Hilsmann 2022-09-28