von GONI
Die Kelten haben ca. 2420 Jahre vor unserer Zeit den Fluss besiedelt und ihn, den Waldbach, zu ihrer Heimat gemacht.
Slawische Gruppen haben dann Vedunja daraus gemacht und mit der Zeit wurde dieses Siedlungsgebiet größer und zu Wenia, dann Wienne um schließlich die Wien zu werden. Einst ein ausgedehntes Augebiet bis zu 300 m breit, bewaldet und von der Geologie her ein Wildbach. Auf 34 km Länge hat die Wien 470 Höhenmeter Gefälle zur Verfügung. Nahe Rekawinkel beginnt der Bachlauf, Dürre Wien genannt, und wurde von früher 124 Zuflüssen und Gräben noch naturnah gehalten, um dann die letzten 15 Kilometer als Hochwassergerinne, den Blicken entzogen, in den Donaukanal zu münden. Diese, den Wienern vertraute, viel zu starke Einhausung ist laut neuesten Erkenntnissen nur für ein hundertjähriges Hochwasser geeignet. Die erst ca. 130 Jahre alten Bauwerke sind dringend sanierungsbedürftig. Ein großer Teil des Wienerwaldes entwässert in die Wien, das Wiental, als solches kaum mehr erkennbar, hat eine besondere Bedeutung für das Klima in Wien. Die Westwinde vom Atlantik her kommend, verlieren an den Bergen vor Wien ihre Feuchtigkeit in Form von Regen oder Schnee, ein Drittel mehr Niederschlag wird hier gemessen.
Ich bin in Wien, Wieden aufgewachsen und lebte nahe der breitesten Brücke über den Wienfluß. 2,1 km ist diese Brücke breit. Sie beherbergt den Marktplatz, den Naschmarkt, das Verkehrsbüro und Parkanlagen. Die Wien ist auch Grenzfluss für 9 Wiener Bezirke. Viele Straßen- und Hausnamen deuten noch auf die frühere wichtige Bedeutung des Flusses hin. zB. Steggasse, Wehrgasse, Kettenbrückengasse, Bärenmühle und die verkehrstechnisch wichtigen beiden Wienzeilen. Wenn auch im 19. Jahrhundert viele Regulierungsmaßnahmen der Wien gemacht wurden, reichte das als Hochwasserschutz nicht aus, sodass gegen Ende des Jahrhunderts die ganz große Lösung durchgeführt wurde, weil auch die Stadtbahn ( heute Teile der U4 ) von Hütteldorf bis Heiligenstadt in dieses Projekt mit einbezogen wurde. Entlang der Wien und des Donaukanals wurde die Strecke unterirdisch geführt. Otto Wagner wurde mit die Architektur aller notwendigen Bauten beauftragt, wie Brücken und Stationen und weil der Jugendstil aktuell war, haben wir heute diese wunderbaren Bauwerke im Wiental.
Wenn man von der Wiednerhauptstraße durch die Reinprechtsdorferstraße bei klarer Sicht nach Norden schaut, kann man das ganze Wiental überblicken. Einige der Nebenstraßen lassen auch solche schönen Blicke zu.
Seit vielen Jahren ist eine Änderung der Nutzung des Flusslaufes in Planung, denn die Sanierung der Uferwände und die Neugestaltung des Flusses wird notwendig. Als Nebeneffekt soll ein kreuzungsfreier Geh- und Radweg neben dem Flussbett entstehen, von wo man aus der Stadt in den Wienerwald gelangen kann. Werden wir Alten das noch erleben?
© GONI 2020-04-01