Der Ort, der alles verändern sollte

Laura Wiesinger

von Laura Wiesinger

Story

Diese Geschichte handelt von einem ganz besonderen Ort, der mein Leben verändert hat. Er handelt von Menschen, die jetzt wie eine zweite Familie für mich sind. Aber vor allem handelt diese Geschichte von zwei Freunden und ihrer Liebe zur Musik.

Es war im Sommer 2012 als meine Mama, mein Bruder und ich auf der kurvigen Küstenstraße von Kroatien am Meer entlang fuhren. Wir waren am Weg zu einer Singwoche, die auf der Insel Rab stattfinden sollte. Durch den Chorleiter eines Musikseminars hatte meine Mama von dieser Woche erfahren und beschloss, als alleinerziehende Mutter mit einem 9- und einem 11-jährigen Kind dorthin zu fahren, ohne auch nur irgendjemanden gut zu kennen. Und so fuhr sie mit uns 8 Stunden lang mit dem Auto über holprige Straßen, durch Staus an den Grenzübergängen und über die kurvige Küstenstraße, die dem Magen meines kleinen Bruders nicht gerade guttat. Sie war erschöpft; wir waren erschöpft, schließlich war das die erste große Autofahrt unseres Lebens. Und dann lag sie vor uns: die Insel Rab. Wie ein riesiger Geröllhaufen nur aus Stein und ohne jegliche Vegetation sah sie aus. Wir wunderten uns, sogar noch, als wir mit der Autofähre auf die Insel fuhren, denn auch hier alles wie in einem postapokalyptischen Hollywoodfilm aussah. Doch als wir unser Hotel erreichten und die ganze Woche die schönen Plätze erkundeten, die uns gezeigt wurden, waren wir uns sicher: Wir sind im Paradies angelangt. Das Paradies riecht nach Lavendel, klingt nach Meeresrauschen und Chormusik, schmeckt nach Calamari und hat Türme mit weißem, abbröckelnden Putz.

Die beiden Freunde Mex und Georg waren die Leiter dieser Singwoche. Mex war der Chorleiter, Georg der Organisator. Ihren Traum einer Singwoche verwirklichten sie 2001 und diese Woche findet bis heute statt.

Bis jetzt klingt alles eigentlich romantisch, aber das erste Jahr Singwoche war eigentlich für mich gar nicht schön. Es gab eine Jugendgruppe, die jedoch nicht wie ich im Chor gesungen hat, sondern in die Kinderbetreuung, wie mein kleiner Bruder, ging. Dadurch verpasste ich den Anschluss, denn obgleich das Singen wirklich wunderbar war, fand ich keine Freunde. Dies änderte sich jedoch im zweiten Jahr. Da waren Niki und Paul, die Söhne von Mex, Lukas, Simon und Elias, gute Freunde von ihnen und Anna und Martina, die Mädels in der Gruppe. Freunde, die man nur einmal im Jahr sah, dafür war die Zeit mit ihnen umso wertvoller.

2019 starb Mex. Ein Hirntumor, er war innerhalb von einer Woche tot. Wir waren geschockt. Georg übernahm die Woche und es war sehr schön, aber auch sehr, sehr traurig. Mex war und ist großer Teil der Woche.

Ich bin ihm sehr dankbar. Für mich haben diese Menschen alles verändert. Ich bin nach Graz gezogen, wohne jetzt in einer WG mit meinen Rab-Freunden und werde auf der Uni von Georg im Klavierspiel unterrichtet. Es sind Freundschaften fürs Leben entstanden und ich wäre nicht so wie ich bin, wären diese Menschen nicht gewesen.

Danke Mama, Danke Georg, Danke Mex

© Laura Wiesinger 2021-04-08

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