Der perfekte Genussmoment

Horst Sammet

von Horst Sammet

Story

Diesen Werbespruch habe ich in einem Prospekt vom Discounter gelesen. Das Bild dazu zeigt drei Generationen Frauen, einen Lichterkranz und Kerzen auf einem gedeckten Tisch mit gebratenem Geflügel. Ich sehe weitere Leckereien, aber das Wort Burgunderschnecken holt mich zurück in die reale Welt.

Eigentlich wollte ich diese Story “Perfekter Fehler” taufen, aber die Werbung hat mich ganz wirr gemacht. Ich denke gerade an meine Story STROMLOS und es ist sehr schade, dass Frau Rosa Wimmer nicht mehr lebt, aber ich möchte den Mohntopfenstrudel gern erneut backen.

Irgendwie ging diesmal einiges schief und das fing bereits beim Einkauf an. Statt dem fertigen Mohnback habe ich eine Mohnmischung mitgenommen, die extra zubereitet werden muss. Das nächste Malheur passierte mir bei der Zubereitung.

Aus 300 Gramm fein gesiebtem Mehl, einem Päckchen Backpulver, 100 Gramm Zucker, 125 Gramm Topfen und je 75 ml Milch und Öl bereite ich den Teig, dann nehme ich die Mohnmischung und schütte sie dazu. Ich fange an, alles händisch zu verkneten. Ein Blick aufs Rezept und Bingo, der Mohn sollte doch nicht in diese Masse.

Leicht aus dem Konzept lasse ich den Teig erst mal stehen und beginne mit der Füllung – ohne Mohn! Dazu benötige ich ein Päckchen Puddingpulver, 30 Gramm Zucker und 250 ml Milch. In den fertigen Pudding rühre ich noch etwas Marzipan. Anschließend kommen eine Prise Salz, 125 Gramm Topfen, 200 Gramm gemahlene Mandeln und meine geliebten, in Rum eingelegten, 50 Gramm Rosinen hinzu.

Der Teig mit dem Mohn sieht sonderbar aus, aber er lässt sich wunderbar auf die von mir benötigte Größe ausrollen. Die fertige Füllmasse ist gut streichfähig und schnell auf dem Teig verteilt, sodass ich problemlos eine Rolle herstellen kann, die anschließend auf das Backblech gehievt wird. Geschafft und ab damit in den Ofen bei ca. 160°C Heißluft. Die Zeituhr stelle ich auf 60 Minuten und ich kann schon einmal das Geschirr spülen.

Es ist noch genug Zeit um ein einfaches Abendessen zuzubereiten und ich schneide Zwiebeln, Rindfleisch, rote Paprika und Tomaten. Alles kommt in den Topf und wird mit Tomatenmark ergänzt. Nun darf es köcheln. Das Blaukraut aus dem Glas verfeinere ich mit Rotwein und zwei kleingewürfelten Birnen. Auch dies kommt im separatem Topf auf die Herdplatte. Nun nur noch Kartoffeln schälen und mit Salzwasser aufstellen. Mit drei Töpfen abwechselnd auf einer Herdplatte kochen ist keine Hexerei, es kommt nur auf das richtige Timing an.

Die Ofenuhr ist abgelaufen und das Produkt eines perfekten Fehlers steht vor mir auf der Küchenplatte. Riechen tut es schon mal gut und so werden wir uns die Mohnrolle am zweiten Advent gut schmecken lassen – ein Genussmoment der besonderen Art. Ich denke, dass mein “perfekter Fehler” zu einem guten Resultat geführt hat. Also nicht gleich verzagen, wenn etwas schief geht.

Meine Liebste kommt gestresst von der Arbeit nach Hause und ich überrasche sie mit meiner Back- und Kochkunst, sowie einem Glas Roten.

© Horst Sammet 2022-12-09

Hashtags