Der Pornodreh

Stefanie Grötzner

von Stefanie Grötzner

Story

Ja, ich habe es getan. Ich will es nicht schönreden, denn da gibt es nichts schönzureden. Es war mitten in Prag und Prag ist nun einmal aus vielen Filmen auch dafür bekannt, dass junge Frauen (nun gut, das Wort jung ist ein dehnbarer Begriff) zu Dingen gebracht werden, die sie nicht unbedingt überall tun würden.

Aber zu meiner Verteidigung kann ich wenigstens anbringen, dass ich den Film nur gedreht habe. Also, ich stand hinter und nicht vor der Kamera. Ob es das nun aber wirklich besser macht, weiß ich nicht.

Ich könnte mich jetzt natürlich noch damit herausreden, dass es alles ganz spontan war und ich gar keine Absicht hatte einen Porno zu drehen, aber das würde mir ohnehin keiner glauben, also fange ich einfach einmal ganz von vorne an.

Der Tag begann an sich wie jeder andere im Urlaub, wobei auch das schon nicht ganz richtig ist, denn seit Tagen schien zum ersten Mal wieder die Sonne beim Aufstehen und die Regenwolken hatten sich verzogen. Über der kleinen Moselinsel mit Blick auf das schöne Prag zeigten sich wirklich Sonnenstrahlen und so schienen die mindestens zehn Kilometer, die wir uns vorgenommen hatten, gar nicht so schlimm zu werden.

Trotz des guten Wetters waren nicht so viele Menschen unterwegs und die Aufstiege waren auch für uns, die Berge nicht so gewohnt waren, machbar. Als wir ein tiefes, lautes Geräusch hörten, waren wir uns nicht sicher, ob es ein menschliches oder ein tierisches Geräusch war. Wir sahen uns an und beschlossen, lieber nachzusehen, ob jemand unsere Hilfe benötigte.

Wir gingen um zwei Ecken und blieben kurz wie vom Donner gerührt stehen. Ich konnte nicht anders und musste mein Handy zücken, denn meine gute Spiegelreflexkamera hatte ich aus verschiedenen Gründen in diesem Urlaub zu Hause gelassen. Dieses Bild würde ich nie wieder vergessen. Es sah aus, wie ein Haufen hingeworfener Körper. Kurz passierte nichts und ich hatte statt der Fotofunktion die Videofunktion erwischt.

Das Geräusch erklang erneut und umringt von anderen ihrer Art bewegte sich auf einmal die Riesenschildkröte auf ihrer Partnerin. Die Wände schienen unter dem lauten Ruf zu wackeln, bevor das Männchen sich von dem Weibchen zurückzog.

Ich traute meinen Augen kaum. Ich hatte einen Schildkrötenporno gedreht. Hilfe brauchte hier niemand.

© Stefanie Grötzner 2022-10-01

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