von Stefan Schotten
„Es ist ein unglaublich schöner Tag,
draußen ist es warm,
er ist auf dem Weg nach Hause mit der Bahn,
schaut aus dem Fenster, lässt Gedanken freien Lauf,
lehnt sich ganz entspannt zurück, denn er muss lange noch nicht raus.
Ein paar Menschen steigen ein, andere wieder aus,
er wechselt grade das Lied und plötzlich stand da diese Frau
und er dachte sich, wow,
sagte, „Klar, der Platz ist frei“, sie lachte und er dachte sich nur
bitte komm, sprich sie an,
das ist das Schönste, was du je gesehen hast
und sie hat sicherlich keinen Mann (Mann),
stell‘ dich nicht so an (an),
wenn nicht jetzt, wann (dann)?
doch alles, was man hört, ist mein Herzschlag.
Was soll ich nur sagen?
Irgendwas knockt mich aus.
Ich bin ein Versager, weil ich mich doch nicht trau‘.
Mein Kopf ist voller Wörter, doch es kommt nichts raus,
sie steht auf und steigt aus.
„Bye ,bye, bye, bye meine Liebe des Lebens
und ja, wir beide werden uns nie wieder sehen.
Kann schon sein, dass man sich im Leben zweimal begegnet,
doch es beim zweiten Mal dann einfach zu spät ist.“
Lautet die erste Hälfte vom Songtext des Liedes „Cro – Bye Bye“, welcher fast zu einhundert Prozent auf die aktuelle Situation passt, weshalb ich beim Anhören des Liedes den Text in meiner Notizfunktion des Smartphones eintippte und hier und dort ein paar Änderungen vornahm, um einen eigenen und vor allem persönlichen Touch mit einzubringen.
Nachdem der Zug den Bahnhof in Neuss verlassen hatte, hatte ich den Text auch schon fertig eingetippt und fügte über dem Text noch eine persönliche Ansprache hinzu, um zu erklären, warum mir der Text gerade von Bedeutung ist. Als ich halbwegs zufrieden war, kamen zwar wieder vereinzelte Zweifel auf, ob dies die richtige Methode und Wortwahl wäre, doch ich wusste, dass ich nicht mehr viel Zeit habe und mir aktuell keine bessere Vorgehensweise einfällt, um auch nicht die ganze Aufmerksamkeit der restlichen Leute im Zugabteil darauf zu lenken, wie ein wildfremder Mann eine wildfremde Frau anspricht. Weder mir noch ihr soll das Ganze unangenehm sein und so entschloss ich mich ihr von der Seite mein Smartphone hinzuhalten, sodass sie die Nachricht lesen konnte.
Nach einem anfänglich skeptischen Blick, nahm sie mir mein Smartphone aus der Hand und fing an die Nachricht zu lesen. Ihr könnt mir eines glauben: Noch nie in einem Leben war ich nervöser vor einer Reaktion als in dieser Situation und beobachtete ihr Gesicht, um zu erkennen, ob sich ihre Mimik verändert. Während sie den Text las, fielen mir erstmals ihre rötlichen Fingernägel auf, die perfekt zu ihrer Lippenfarbe passten.
© Stefan Schotten 2023-08-09