Der vierte Affe (1)

Story

Beim täglichen Spaziergang durch die umliegenden Wälder und Wiesen meines Wahlheimatdorfes plagen mich plötzlich unsägliche, nicht aufhören wollende Krämpfe im Unterleib. Ich ziehe die Wrangler-Jeans bis in die Kniekehlen runter: da haben wir den Salat – mein Körper spuckt zum ersten Mal Ochsen blutrotes, dickflüssig stinkendes Blut aus. Ein vorbei streunender Hund findet das ganz toll. Er steckt seine Schnauze zum Schnüffeln zwischen den Schritt: Aha, die hat ihre Tage! Die fängt aber spät an. Die ist ja bald schon fünfzehn. Jung genug, um eine folgen leichte Entscheidung für das Leben zu treffen. Keine Kinder! Wie weise und voraus schauend in diesem zarten Alter.

Aufgrund mangelnder Inzucht hätte ich Kinder ohne Affenschwanz auf die Welt gebracht, die diese Fehl-Bildung mit einer Selfie-Stick-Prothese ersetzt hätten, um sich bei Instagram & Co. zum Affen zu machen. Die vierten Affen rasen durch die Metropolen: Wer erhascht die meisten Likes und Follower? Man sollte die Likes mit virtuellen 3D-Dildo-Bananen für die Selbstbefriedigung des offensichtlich schon krank auf die Welt gekommenen Alter-Ego ersetzen. Vielleicht hilft es ja.

Ohne Smartphone geht gar nichts mehr, selbst das Scheißen nicht. Zwanghaft wird alles fotografiert, dokumentiert und kommentiert. Ein selbstkritisches Hinterfragen über Wert und Qualität ist nicht existent. Wer ist banal – banaler- am banalsten? – alles Banane! Hauptsache das Outfit für das Selfie Shooting ist cool und die Schminke nicht vertuscht. Noch eben die Haare zu Recht legen und eine möglichst unnatürliche Körperhaltung einnehmen – um so unnatürlicher, um so besser. Und ganz wichtig: die Kussmundschnute sollte möglichst einem naturgetreuen Affenpopo entsprechen. Ein bisschen Natur muss schon sein. Notfalls unterspritzt man die Lippen mit Silikon.

Zuhause angekommen wird erst mal gechillt, d.h. die Selfies werden stundenlang gepixelt – bis zum gewünschten virtuellen Fake-Ergebnis, so viel Zeit muss sein – und dann ab dafür, mit der Fliege, ins zu Gott erklärte Affen-Netz! Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der schönste Spiegelaffe im Schlar-Affenland? Kein Affe auf diesem Planeten benimmt sich so affig. Die 80iger Jahrgänge (sch)affen das. Die müssen so viel an ihrem Profil arbeiten, weil ihr Profil von vorne herein so abgefahren wie ein alter Autoreifen ist.

Diese oberschlaumeirigen, mit Anabolika vollgepumpten Volllangbart-Fachidioten erklären das Tattoo zum Körperkult. Wie langweilig. Um so weniger Profil, um so mehr Tätowierungen. Wenn es denn sein muss, tätowiert man sich bis unter die Halskrause zu. Das bringt es dann total und die Haut und die Meridiane sind auch total begeistert. Gönn dir!

© 2022-01-10

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