von Andrea_Barbara
Pragmatismus und Vernunftentscheidungen haben durchaus – in manchen Situationen und Lebensphasen – ihre Existenzberechtigung. Auch Routine und Konstanz können – gerade in schwierigen Zeiten – sehr hilfreich sein. Was aber, wenn es zur Dauerlösung wird und die gesamte Energie dazu gebraucht wird, um auf der Stelle zu rudern, ohne gefühlt einen Meter weiterzukommen?
Im Februar 2012 schreibe ich folgenden Eintrag in meinen online Tagebuch-Blog:
„Höhepunkte im BĂĽroalltag: Um 13:30 Uhr erreicht die Sonne mein Fensterbrett. Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen WindmĂĽhlen“.
Aber scheinbar gehöre ich nicht zu den Windmühlen-Erbauern. Jetzt sitze ich noch immer an diesem Platz, die kleine Palme am Schreibtisch leistet mir seit fünfzehn Jahren Gesellschaft.
Ich gehöre eher zu jenen, die analysieren, ĂĽber Wind und Mauern nachdenken, Erklärungen suchen. Immer und ĂĽberall das Positive suchen. Ja genau, SUCHEN… da kenne ich mich aus. Irgendwann beschloss ich aber, dann doch mit dem Suchen zu pausieren, nachdem ich zur Erkenntnis gekommen war, dass das Suchen als Selbstzweck sinnlos ist. Genau genommen nur Ablenkung ist, von dem was gerade IST. Die Suche kann zur Freizeit- und BĂĽcherregal-fĂĽllenden, durchaus interessanten, mitunter sogar kostenintensiven Beschäftigung werden. Ohne dass sich auch nur irgendetwas ändert.
Aber der Wind des Wandels weht unablässig, mal mehr mal weniger und da lässt sich nichts Beschönigen und Schönreden. Mehr noch: der Wandel steht vor der Tür und klopft an. Noch leiste ich Widerstand, ich fürchte mich. Aber ich weiß genau: Er gibt nicht auf, bis ich öffne, und wenn ich nicht öffne, bricht er vielleicht die Tür gewaltsam ein und all die errichteten Mauern gleich mit dazu.
Worauf warte ich eigentlich noch? Auf den nächsten Höhepunkt im BĂĽroalltag? Eigentlich bräuchte es nur einen mutigen Schritt. Eigentlich…
© Andrea_Barbara 2021-01-20