von Thomas Foitzik
Vorbemerkungen
Begriffserklärung: Angst wird in verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedlich verstanden, definiert und bewertet. Vor allem Soziologen und Philosophen versuchen, die Begriffe Angst und Furcht zu unterscheiden. Sie sprechen von Furcht, wenn es eine konkrete Bedrohung gibt, von Angst, wenn kein offensichtlicher Grund vorzuliegen scheint. Wenn man überfallen und mit einem Messer bedroht wird, ist die Angst um das eigene Leben sehr konkret und berechtigt. Aus soziologischer Sicht handelt es sich dabei also um Todesfurcht, nicht Todesangst. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich diese Unterscheidung nicht durchgesetzt. Zwar findet man im Duden und Wiktionary die »Todesfurcht“, bei Wikipedia gibt es dazu aber keinen Eintrag, sondern nur den Link zur Todesangst. Den Ausdruck »Sterbensfurcht« gibt es gar nicht, nur die Sterbensangst. Dabei kann man sagen, dass der Tod immer eine konkrete Bedrohung darstellt; jeder stirbt und der Tod kann jederzeit eintreten. Trotzdem rechnen wir nicht ständig damit, dass wir in den nächsten Minuten aus irgendeinem unvorhersehbaren Grund tot umfallen, einen tödlichen Unfall haben oder ermordet werden. Einen plötzlichen unnatürlichen Tod oder einen natürlichen Tod aus „heiterem Himmel“ sterben hierzulande weniger als fünf Prozent der Menschen.
Umfragen (z.B. der GfK-Marktforschung, des INSA-Instituts und von Statista) kommen zu dem Ergebnis, das rund 70% der Deutschen in irgendeiner Form Angst vor dem Sterben und Tod haben. Die übrigen 30% geben an, sich überhaupt nicht mit dem Thema zu beschäftigen. Die Antworten auf viele Fragen über das Sterben hängen davon ab, wem sie in welcher Situation gestellt werden. In Befragungen von Patienten im Endstadium einer unheilbaren Erkrankung in Krankenhäusern und Hospizen gab kaum jemand an, überhaupt keine Angst vor dem Sterben und dem Tod zu haben. Dabei kam auch heraus, dass die Angst vor dem Sterben größer als die vor dem Tod war. Wenn nach den Gründen gefragt wird, geben über 60 Prozent an, dass sie sich vor einem langsamen qualvollen Sterbeprozess mit Schmerzen und Atemnot fürchten. Das ist eine konkrete Angst, die bestehen bleibt, auch wenn man den Betroffenen versichert, dass man dies durch Medikamente wirksam unterbinden kann.
© Thomas Foitzik 2024-01-13