von Lea Brandt
Nicht nur konkrete statische bzw. Greifbare GegenstĂ€nde können uns ein GefĂŒhl von Liebe geben. Es gibt auch Momente, in denen wir ganz in einer TĂ€tigkeit aufgehen â Momente, in denen die Zeit stehenzubleiben scheint und wir das GefĂŒhl haben, mit uns selbst im Einklang zu sein. Eine andere Form der Liebe: die Liebe zur Bewegung. Es ist eine Liebe, die uns erfĂŒllt, uns in Bewegung hĂ€lt und uns gleichzeitig zur Ruhe bringt. Was bedeutet es, eine AktivitĂ€t zu lieben? FĂŒr mich ist es vor allem das GefĂŒhl, das sie in uns auslöst. Es ist der Waldspaziergang, das kreative Arbeiten und die grundsĂ€tzliche Bewegung. Diese Momente sind wie kleine Inseln im Alltag â Orte, an denen ich mich selbst finden kann.
Jeder Mensch hat seine eigenen AktivitĂ€ten, die sein Herz berĂŒhren. Manche Menschen verlieren sich in der Musik, sei es beim Spielen eines Instruments oder beim Tanzen, wenn der Rhythmus den Körper ĂŒbernimmt. Andere finden ihre Leidenschaft im Kochen, wenn aus scheinbar einfachen Zutaten ein kleines Kunstwerk entsteht. Und wieder andere lieben es, zu reisen, neue Orte zu entdecken und in die Geschichten fremder Welten einzutauchen. Die Liebe zu AktivitĂ€ten ist nicht nur ein Ausdruck dessen, wer wir sind, sondern auch eine Art der Selbstliebe. Indem wir uns Zeit fĂŒr das nehmen, was uns erfĂŒllt, schaffen wir Raum fĂŒr unser inneres Gleichgewicht. Doch wie oft erlauben wir uns, wirklich nur das zu tun, was uns Freude bereitet? Der Alltag, mit seinen Verpflichtungen und To-do-Listen, drĂ€ngt diese Liebe oft in den Hintergrund. Wir sagen uns, dass wir spĂ€ter Zeit dafĂŒr haben werden â aber wie oft kommt dieses âspĂ€terâ wirklich?
Aus eigener Erfahrung weiĂ ich, dass diese Zeit eigentlich nie kommt. Es sei denn, wir nehmen uns bewusst diese Zeit fĂŒr uns selbst. In unserem Alltag gibt es immer etwas zu tun-sei es fĂŒr die Arbeit, das Studium, die Schule, die Familie oder sei es fĂŒr den Haushalt. Schaffen wir es wirklich nicht, uns eine Stunde Zeit zu nehmen und beispielsweise unser neues Buch zu lesen? Können wir uns nicht aufraffen und beispielsweise morgens eine Runde laufen oder joggen gehen? Vielen Menschen fehlt dabei die Motivation, AktivitĂ€ten alleine nachzukommen. Es gibt etwas Magisches an AktivitĂ€ten, die wir mit anderen teilen. Ein gemeinsames Hobby, sei es das Spielen eines Gesellschaftsspiels, das Wandern in der Natur oder das Lachen bei einer Sportart, verbindet uns auf einer Ebene, die Worte oft nicht erreichen können. Diese Liebe zu einer AktivitĂ€t wird zu einem unsichtbaren Faden, der uns mit anderen Menschen verknĂŒpft und wundervolle Verbindungen erzeugen kann.
Doch was passiert, wenn wir zu sehr in unseren AktivitĂ€ten aufgehen? Ist es möglich, dass diese Liebe in eine Flucht vor der RealitĂ€t umschlĂ€gt? Manche Menschen verstecken sich in ihrer Arbeit, in ihrem Sport oder sogar in ihrer KreativitĂ€t, um den Herausforderungen des Lebens zu entfliehen. Die Grenze zwischen Leidenschaft und Flucht ist oft flieĂend. Die Kunst besteht darin, die Balance zu finden â uns in einer AktivitĂ€t zu verlieren, ohne dabei den Kontakt zu uns selbst oder zu anderen zu verlieren. Am Ende ist die Liebe zu AktivitĂ€ten eine der reinsten Formen der Hingabe. Sie verlangt keine Gegenleistung, keinen Beweis. Sie schenkt uns Freude, Frieden und manchmal auch eine leise Einsicht in das, was wir wirklich sind.
© Lea Brandt 2025-01-08