von Leara Thalen
Spätabends, nach getaner Arbeit in Feld und Stall, nach einem Abendessen mit Eierspeis und Erdäpfeln, dazu einem Haustrunk, vielen reich ausgeschmückten Geschichten über die vergangenen Zeiten, da begaben sich Bauersleut und Gäst zur wohlverdienten Ruhe. Die Hühner schliefen schon längst, und mit ihnen sollte man ja wieder aufstehen. Durch die offenen Fenster würde dann das Krähen des Hahnes zur Tagwache rufen. Ihre Dritten legten die Besucher schön brav in die Gläser mit Wasser, die auf dem Nachtkästchen zwischen den Betten bereitstanden. Jeder in das auf seiner Seite, das versteht sich von selbst. Dann zogen sie die Decke über, drehten sich zur Seite und hörten und sahen nichts mehr. Müd sind sie gewesen, hundsmüd. Der Strohsack bewegte sich mit den schweren Atemzügen der Schlafenden mit, auf und ab, auf und ab. Der Weg des Altbauern zum großen Schlafzimmer führte durch die Kammer, in der die beiden Onkel schliefen. Er war der Erste in der Früh, der Letzte beim Zubettegehen. Denn ein Rundgang, nachsehen, ob alles seine Ordnung hatte, das ließ er sich nicht nehmen. Im schwachen Mondschein schlich er zur Türe des großen Schlafzimmers. Da funkelten die beiden Gläser auf dem Nachtkästchen. Na wart´s, murmelt er. Des gibt a Gaudi morgn!
Am nächsten Tag ging es zum Kartoffelacker. Wieder brannte die Sonne herunter, und die beiden „Tagelöhner“ ließen ab und zu einen Seufzer hören. Das Frühstück hatte so gar nicht geschmeckt, warum war das Brot denn gar so zäh gewesen! Sie redeten auch irgendwie anders, fast ein wenig lallend, aber so viel hatten sie doch gar nicht getrunken, dass das heute alles so mühsam sein musste. Sollte es doch so sein, dass sie nicht mithalten konnten, zu verweichlicht waren im Vergleich zu den Bauersleuten? I woas net, worum mi heit die Zähnd so druckan, meint der eine. Di a?!, wundert sich der andere, i frog mi a scho de ganze Zeit, wos des heit is!
Da schauen sie sich an. Ein Stück voraus arbeitet wortkarg und verbissen der Altbauer, wieder hängt er alle ab. Da lachen beide. Es ist noch immer nicht aller Tage Abend.
In der Nacht kam endlich das lang angekündigte Gewitter. Blitze zuckten, erhellten die Dunkelheit. Der Donner grollte so gewaltig, dass man meinte, die dicken Mauern würden erzittern. Das Regenwasser aus den Dachrinnen der Stallgebäude und Schuppen sammelte sich bei dem einzigen Kanaleinlass im mit doppelt gebrannten Tonziegeln gepflasterten Hof, der die Massen nicht fassen konnte; und so bildete sich vorübergehend ein kleiner See vor dem altehrwürdigen Arkadengang.
Morgen werden wir die Stiefel brauchen, meint der Schani, der von seinem Bett aus durch das hohe Kastenfenster nach draußen sieht, weißt du, wo dem Bauern seine stehen? Freili, sagt der Franz. Schau ma, dass de daun woach und g´schmeidi san, die g´hörn ordentli g´schmiart. An wos denkst denn? will der Schani wissen. Do wird si im Stoi scho was findn, schnö, da Hund schloft heit im Schupfn, bei dem Sauwetter geht sonst eh koaner vor die Tüa …
Von einem der mächtigsten Haufen im Stall fehlt am nächsten Tag ein kleiner Teil, doch das stört ja (fast) niemanden…..
© Leara Thalen 2024-09-22