von Chrissi_schreibt
Meine Teenagerzeit verbrachte ich an einem wunderbaren Ort. Die Zeit im Internat war traumhaft schön und unglaublich prĂ€gend fĂŒr mich. Hin und wieder ploppen einzelne Erlebnisse in meiner Erinnerung auf. Besonders die Ereignisse, welche von Erwachsenenaugen kritisch beĂ€ugt werden, waren oft die tollsten. So auch die Schneeballschlacht. Jahre spĂ€ter wurde sie an meinem Internat verboten. Ein MĂ€dchen hat sich angeblich ein Bein gebrochen. Schluss war’s damit. VerstĂ€ndlicherweise. Dabei ging’s bei uns damals auch ganz schön wild zu. Kein Wunder, dass da was passieren kann.
Als ErstklĂ€ssler mit 14 in der Schule angekommen, hörten wir von Anfang an von der Schneeballschlacht. Ein mystisches Ereignis, sowie fester Bestandteil im Schuljahr. Es hieĂ, besonders die ErstklĂ€ssler sollten sich vor der Schneeballschlacht hĂŒten.
Unvermeidlich kam er, der erste Schnee. MĂŒhsam wurde er zusammengetragen und von jeder Fensterbank gesammelt. Mehr oder weniger liebevoll geformt zum weiĂen Geschoss, flogen die SchneebĂ€lle schnell durch die GĂ€nge. Schnee und alsbald Wasser blieb dann in so manchem Klassenzimmer liegen. Als der Schnee dann drauĂen liegen blieb, war man nirgends mehr sicher. Der Gang zum praktischen Unterricht wurde zum SpieĂrutenlauf. Na eigentlich war’s richtig lustig und die âWaffenâ zum ZurĂŒckschlagen lagen ja ĂŒberall herum. Die weiĂe Pracht war schlieĂlich fĂŒr alle da. Zumindest so viel stand fest, auch ErstklĂ€ssler konnten SchneebĂ€lle werfen.
Eine Schneeballschlacht ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. FĂŒr mich war diese die eine unvergessliche. Wir waren nach der Praxis auf dem Weg zurĂŒck ins Internat. Neben den WerkstĂ€tten tĂŒrmte sich schon der Schnee und der eine oder andere Schneeball traf mich sogleich. Kleine Vorboten des winterlichen Treibens, dass gleich folgen sollte. Wir stiegen einige Stufen hinunter und ahnten nicht, was uns erwarten wĂŒrde. Am Platz hinter dem Internat tummelten sich die Zweit- und DrittklĂ€ssler. Sie warteten bereits auf uns. âDa kommen sie!â, schrien einige der schneewĂŒtigen Burschen. SchneebĂ€lle trafen uns, als wir weiter ins Schussfeld gerieten. Ein ZweitklĂ€ssler nahm eine Handvoll Schnee und stĂŒrzte sich auf mich. Kalt und nass war mein Gesicht, als er mich âauswuschâ. Es gibt etwas Angenehmeres. Weitere SchneebĂ€lle trafen uns. Noch einmal landete ich im Schnee. Meine HĂ€nde und mein Gesicht waren eiskalt. Pures Adrenalin durchströmte meinen Körper. Gemeinsam mit zwei Klassenkameradinnen konnte ich fliehen. ZurĂŒck im Internatszimmer war es wohlig warm. Die Aufregung stand uns noch ins Gesicht geschrieben. Trotzdem waren wir bestens gelaunt. Wir lachten und spekulierten, wer genau unsere âAngreiferâ waren und dass der eine oder andere eigentlich ganz ein lieber sei. Wir haben alle Schneeballschlachten gut ĂŒberstanden. Es freut mich noch heute, dass wir die weiĂe Pracht mit Haut und Haar erleben durften.
© Chrissi_schreibt 2022-12-20