Mein Vater ist der Herzog Maximilian Josef in Bayern. Er gehört, wenn auch nur in zweiter Linie, zu den Wittelsbachern. Er spielte gerne Zither. Johann Petzmayer war sein Lehrer. Mein Vater reitete gerne. Er liebte die Literatur und das Theater.
Meine Mutter ist die Herzogin Ludovika Wilhelmine in Bayern. Sie ist eine pure Wittelsbacherin. Sie ist die jüngste Tochter des Königs Maximilian der erste von Bayern.
Tja. Das ist also meine Familie von A bis Z.
Nun berichte ich euch meine Episode. Ich war gerade in meinem Zimmer als meine Mutter mich von unserer Gouvernante rufen ließ. Ich eilte zu ihr und war ganz fiebrig auf das, was sie mir zu sagen hatte. Sie hielt einen Brief in der Hand und sah ganz heiter aus. Sie strahlte und meiner Ansicht nach hätte sie vor Glück fast platzen können. Als ich zu ihr kam, sagte sie: „Du, mir ist eben ein Brief von der Tante Sophie angelangt.“ „Ja, was schreibt die Tante Sophie?“, wollte ich wissen. „Liebe Ludovika, ich suche eine Braut für meinen Franzi und möchte mit diesem Schreiben um die Hand Deiner Tochter Nenè werben. Ich erwarte euch dann in Bad Ischl und am achtzehnten August sollen Helene und Franz sich kennenlernen und einander schätzen,“ las Mama aus dem Brief vor. Die Freude meiner Mutter war groß. Ich war wie hin- und hergerissen. Tante Sophie ist die ältere Schwester meiner Mutter und ist die Mama von Franz Joseph, den Kaiser von Österreich. Meine Mutter wollte sicher, dass ich Kaiserin werde. Aber schließlich sollte ich ihn heiraten und nicht sie. Ich erinnerte mich noch, dass meine Familie und die Familie von Franz Joseph in Innsbruck waren, als in Wien die Revolte war. Da waren wir alle noch Kinder und ich war immer mit den Erwachsenen. Ich war schon immer ein sehr ruhiges Wesen. Ich interessierte mich eben für die Politik. Franz Joseph hatte aber Interesse an mir und machte mir den Hof und fing ein Techtelmechtel mit mir an. Ich wurde daher von da an sowohl auf die Rolle der Kaiserin als auch auf die Laufbahn der Ehefrau und auf die Bestimmung der Mutter vorbereitet. Daher konnte ich mir erklären, wieso Tante Sophie bei meiner Mutter um meine Hand geworben hat.
© Raffaella De Lauso 2025-09-28