von Ulrike Sammer
Antwerpen ist eine Hafenstadt in der Region Flandern und die zweitgrößte Stadt in Belgien. Von großer internationaler Bedeutung ist Antwerpen durch seinen Seehafen, den zweitgrößten Europas, sowie als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. Jeder weiß um den immensen Reichtum von Antwerpen. Doch als wir mit einem Bus eine Stadtrundfahrt machten, war ich leicht entsetzt: soviel Schmutz, verlassene Baustellen, geschlossene oder herunter gekommene Läden und völlig verwahrloste Grünanlagen. So hatte ich mir diese Stadt nicht vorgestellt. Wie sich herausstellte, war nur das Zentrum rund um die wunderbare Kathedrale wirklich schön. Außen herum wohnen offenbar viele Arme und Einwanderer. Derzeit bewohnen bereits mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Belgier die Stadt. Diese können sich nur Wohnungen in den heruntergekommenen Vierteln leisten.
Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas. Die Stadt liegt an der Schelde, 88km vor ihrer Mündung in die Nordsee. Um die Schifffahrt nicht zu behindern, gibt es in Antwerpen keine Brücken, sondern zahlreiche Tunnels.
Antwerpen gehört zu den wenigen Großstädten mit weitgehend erhaltenem historischen Stadtkern, aufgrund der vielen noch vorhandenen Bau- und Kunstdenkmale aus der Blütezeit der Stadt. Die Stadt hat viele bekannte Künstler hervorgebracht, darunter die Maler Rubens, van Dyck, Jan Brueghel den Älteren und seinen Sohn Jan Brueghel den Jüngeren. Am Marktplatz stehen wunderschöne Gildehäuser mit prächtigen Giebeln. Die Liebfrauenkathedrale ist die einzige siebenschiffige gotische Kirche. Von der geplanten Zweiturmfassade wurde nur der Nordturm vollendet, der allerdings mit seiner Höhe von 123m ein Meisterwerk spätgotischer Architektur darstellt. In der Kathedrale bewunderten mein Bruder und ich vier berühmte, riesige Gemälde von Peter Paul Rubens.
Der Hauptbahnhof wurde nach Umbauarbeiten 2007 wiedereröffnet. Ich habe noch nie so einen prunkvollen Bahnhof gesehen, er sieht aus wie ein Palast. Im Rahmen der Anbindung Antwerpens an das Hochgeschwindigkeitsnetz wurde der Bahnhof untertunnelt. Das historische Empfangsgebäude aus dem 19. Jahrhundert blieb dabei erhalten.
Traditionell gilt die Stadt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt. Neben vier Diamantenbörsen haben sich etwa 1600 Diamantenfirmen angesiedelt. Das Viertel, in dem sich der Diamantenhandel konzentriert, ist durch Überwachungskameras und ausfahrbare Straßenbarrieren gesichert. Waren es vor kurzem noch über 80 Prozent, so werden heute noch rund 60 Prozent aller Rohdiamanten in Antwerpen gehandelt, vor allem von jüdischen Händlern. Inder beherrschen aber bereits 55 Prozent des weltweiten Diamantengeschäfts.
© Ulrike Sammer 2022-01-28