Die verbotene Tür

Julia Lang

von Julia Lang

Story
Aschaffenburg

Wir hatten lange auf das Konzert unserer Lieblingsband hingefiebert. Unglaublicherweise fand es direkt in unserem Heimatort statt. Obwohl die Jungs aus Schweden stammten und normalerweise große Hallen füllten, kamen sie für einen Stopp nach Aschaffenburg in einen winzigen Club. Man munkelte, der Betreiber des Clubs habe gute Kontakte zu vielen bekannten Rockbands. Schlussendlich war es meiner besten Freundin und mir egal, Hauptsache, wir konnten unsere großen Idole live erleben.

Bereits Stunden vor dem Konzert standen wir in beißender Kälte vor dem Club und warteten auf den Einlass. Währenddessen unterhielten wir uns angeregt mit einem der Security-Männer. Wir kannten ihn schon von vielen anderen Konzerten, die wir in dem Club besucht hatten. Er war nett und flirtete mit uns.

Als sich schließlich die Türen öffneten, stürmten wir nach vorn. Wir ergatterten die besten Plätze vorn in der Mitte. Nach und nach füllten sich die Reihen und schon bald eröffnete die Vorband den Abend voller Verheißungen. Sie spielten gut, aber unser Interesse galt nun mal den schwedischen Jungs, wegen derer wir gekommen waren.

Unsere Aufregung stieg ins Unermessliche und wir hampelten auf unseren Plätzen, unfähig, länger stillzustehen. Als schließlich endlich der Auftritt der Band begann, flippten wir aus wie zwei Teenager. Wir schrien und jubelten und sicherten uns mehr als einmal die Aufmerksamkeit der heißen Kerle auf der Bühne.

Nach dem Konzert standen wir verschwitzt und heiser an der Bar, unwillig, bereits nach Hause zu gehen. Auf dem Weg zu den Toiletten fiel unser Blick auf die steilen Treppen, die nach oben in den Backstage-Bereich führten. Niemand war zu sehen.

Wir blickten uns an und jede von uns wusste, was die andere gerade dachte. Wurden wir erwischt, drohte uns Hausverbot oder sogar eine Anzeige. Freunden von uns war das bereits passiert. Aber die Versuchung war groß. Die Jungs einmal persönlich zu treffen, war ein großer Traum.

Ein letzter Blick über die Schulter und schon schlichen wir uns leise die Stufen hinauf. Eine der Türen im oberen Bereich stand offen, drinnen sahen wir den Security-Mann von vorhin telefonieren. An ihm mussten wir vorbei. Unsere Herzen schlugen so laut, dass wir befürchteten, er könnte sie hören. Wir warteten, bis er sich umdrehte, und rannten so leise und schnell es ging an der Tür vorbei.

Scheinbar hatte er etwas gehört, denn er stoppte sein Telefonat, seine Schritte näherten sich der Tür. Wohin sollten wir gehen? Es gab kein Versteck, nur zwei weitere Türen, beide verschlossen. Hilflos blickten wir uns an, Panik in den Augen. Meine Freundin drückte eine der Klinken herunter und wir schlüpften in den Raum, unwissend, was uns erwartete.

Ich schloss die Tür hinter uns und wir unterdrückten ein Lachen, völlig unpassend in dieser Situation. Dann drehten wir uns um, trauten unseren Augen kaum. Das Herz rutschte mir in die Hose, denn vor uns auf ein paar Sofas lümmelten die frisch geduschten Rockstars, die wir gesucht hatten, und grinsten uns frech entgegen.

© Julia Lang 2024-07-06

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Abenteuerlich, Hoffnungsvoll, Unbeschwert
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