dröhnende Stille

Canan Serbest

von Canan Serbest

Story
2022 – 2023

Samstag; 19.05.2022

Da ist sie wieder, diese Leere. Noch nie war sie so dunkel und tief, wie heute. Mein Hals ist durchgehend zugeschnürt, mein Körper signalisiert mir seit Monaten, dass es mir nicht gut geht. Bis vor ein paar Tagen konnte ich noch alles überspielen und mich selbst anlügen. Dabei passt gar nichts und mir geht es dreckiger denn je. Ich ertrinke in meinen Gedanken, kann sie nicht einmal in Worte fassen, wenn mich jemand fragt, was denn los sei.   Ich würde gerne antworten. Mein Herz ist schwer, meine Gedanken überwiegen die Stille.

Die Musik, die einst Trost und Freude brachte, ist nun von der lauten Stille meiner Gedanken übertönt. Die innere Zerrissenheit wird zunehmend unerträglich, und die Kraft, mich mit anderen zu verbinden, schwindet. Fünf Minuten Normalität sind eine schwindende Illusion, und der Versuch, vorzugeben, dass alles in Ordnung ist, wird zu einer unmöglichen Aufgabe. Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, dass die Leere in mir so tief gegraben hat. Die innere Stimme, einst ein sanftes Flüstern, ist jetzt ein ohrenbetäubender Schrei, der mich zu erdrücken droht. Die Vorstellung, jeden Tag im Bett zu verbringen, wird verlockender, während meine Gedanken weiterhin unerbittlich in diese Leere graben, die mich zu verschlingen droht.

In dieser Dunkelheit, die sich in meinem Inneren ausbreitet, frage ich mich also, wie es dazu kommen konnte, dass die Leere so überwältigend geworden ist. Die Last auf meinen Schultern wird von Tag zu Tag schwerer, und ich spüre, wie meine Lebenskraft langsam schwindet. Es ist, als ob meine Seele in einem endlosen Strudel aus Dunkelheit gefangen ist. Mein Körper spricht mit mir in einer Sprache des Schmerzes, die ich nicht länger ignorieren kann. Die Unwahrheiten, die ich mir selbst erzählt habe, verlieren ihre Kraft, und die Wirklichkeit bricht mit erschütternder Klarheit durch. Die Leere, die sich in meinem Inneren manifestiert, durchdringt nicht nur meinen Geist, sondern auch meine physische Existenz. Bis vor kurzem konnte ich noch die Fassade aufrechterhalten, doch jetzt spüre ich, dass die Maskerade nicht mehr funktioniert. Die Fragen, die ich mir selbst nicht beantworten kann, schweben wie dunkle Wolken über mir. Die Worte versagen mir, wenn jemand nach meinem Befinden fragt, und die Fähigkeit, meine Gefühle zu teilen, erweist sich als unmöglich. Mein Herz, einst schwer von Unerklärlichem, wird nun von einer bleiernen Schwere erdrückt. Die Stille wird von meinen übermächtigen Gedanken überschattet, die wie ein unendlicher Chor der Dunkelheit in meinem Inneren widerhallen.



© Canan Serbest 2023-11-18

Genres
Romane & Erzählungen, Lebenshilfe
Stimmung
Tense, Reflektierend, Dunkel, Traurig, Herausfordernd
Hashtags