Der Einrückungstag zum Bundesheer –1. Oktober – ist gekommen. Darauf habe ich mich nicht gefreut, aber neugierig bin ich schon. Der Dienst fürs Vaterland erscheint doch irgendwie abenteuerlich.
Einrücken in die Schwarzenberg-Kaserne, Registrierung, Wehrdienstbuch, Ausrüstung ausfassen. Ich bin das 1. Mal überfordert. Großer Rucksack („Wolke“), kleiner Rucksack, Spaten, Dienst- & Einsatzkleidung, 1er/2er Böcke (Stiefel), Schlafsack, Sportkleidung, Decken, etc. Was ein Soldat fürs Leben halt so braucht. Alles sortieren, versorgen und in den 48-Mann-Schlafsaal der 2. Pionierkompanie tragen. Vom Stiegenhaus tritt man durch eine knarrende Schwingtür in den Saal. An dieses Knarzen, frühmorgens besonders unangenehm, werde ich mich meinen Lebtag lang erinnern.
Wehmütig denke ich an den letzten Sommer – Reifeprüfung geschafft, Maturareise nach Paros (erster Flug), Jobsuche wegen Präsenzdienst ausgesetzt. Wer nimmt einen schon, wenn man gleich nach der Einarbeitung für 8 Monate von Vater Staat okkupiert wird? Der Gegensatz zwischen meinen letzten (arbeitslosen und daher entspannten) Sommerferien und dem Kasernendrill könnte größer nicht sein.
Nun stehe ich also im Schlafsaal, 12 Kojen á 4 Betten, und bin zum 2. Mal überfordert. Schließlich entscheide ich mich für eine der Kojen rechts und suche mir ein Bett und einen Spind aus. Wir stehen uns gegenseitig im Weg beim Einräumen der Ausrüstung. Ständig kommen neue Kameraden hinzu, während die anderen in verschiedenen Stadien des Fertigwerdens sind. Es geht zu wie in einem Bienenstock. Der rothaarige Ausbildner, später mit dem Spitznamen „Korporal Duracel“ (mit dem roten Kupferkopf) bedacht, treibt uns an. „Fertig werden, Mädels, Ordnung herstellen.“
Campen wird nie meins, denke ich, als ich die verschiedenen Teile meiner Kleidung und Ausrüstung sortiere. Da greift sich plötzlich ein großer blonder Bursche meine Bettwäsche und die Decke und beginnt mit dem Bettenbau. Staunend sehe ich, wie er dieses Eisengestell mit wenigen Handgriffen in mein Bett verwandelt. Selber längst fertig, hat er meine Not erkannt. Ohne zu fragen hilft er mir beim Verräumen des ganzen Klumperts, sodaß auch ich rechtzeitig fertig werde. Korporal Duracel kündigt nämlich schon die Verlobung mit der „Braut des Soldaten“, dem Sturmgewehr 77, in der Waffenkammer an. Wie romantisch!
Mein „Adjutant“ heisst Harald und kommt aus Schärding. Wir werden rasch gute Freunde. Später erzählt er mir, er wolle mit seiner Freundin nach Kanada auswandern, zu einem Onkel und in dessen Geschäft einsteigen. Leider verlieren wir uns nach dem Präsenzdienst wieder aus den Augen. Viele Jahre später treffe ich ihn zufällig in der Therme Geinberg und wir erkennen uns sofort. Er war in Kanada, ist jedoch wieder heimgekehrt.
Man kann über unser Heer viel (verheerendes) sagen, aber ich möchte diese Zeit nicht missen. Und Harald’s spontane Hilfe beeindruckt mich heute noch!
© Klaus P. Achleitner 2020-01-11