Ein Hund namens Fredi

SusiBock

von SusiBock

Story

Meine Liebe zu Tieren war immer schon groß, aber tödlich (ist ja auch bei mehr als 50 Lebensjahren nur eine Frage der Zeit): First Dog (tot), Katzen (tot), Wellensittiche (alle tot) und ein Zwergkaninchen, das ein Riesenhase wurde (auch tot). Und dann kam Fredi … ein Dalmador, als Dalmatiner-Labrador sozusagen ein reinrassiger Mischling, nach 6 Jahren Unglück und mit 25 kg Übergewicht Ende 2017 von seinem Herrchen verstoßen und ins Tierschutzhaus gebracht, damit wir ihn dort finden konnten. Was für ein Glück. Aber zuerst hatte er Pech. Fredi war als Junghund bereits im Tierschutzhaus, um von einem Ehepaar adoptiert zu werden, das zwar alt, aber leider nicht weise war. Wenig Erziehung, wenig Bewegung und viel Essen, vorzugsweise was seine Besitzer vom Tisch fielen ließen, führten zu einem Kampfgewicht von 45 kg– bei einer Schulterhöhe von etwa 60 cm (und einem Normalgewicht von ca. 20 kg).

Alles in allem war Fredi ein seelisch und wohl auch körperlich geschlagener Hund. Ich habe in den fast drei Jahren, die er nun bei uns ist, so viel von ihm und über ihn und Hunde generell gelernt, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann: Diese Menschen hatten ihn nicht verdient und dass sie ihn nicht komplett zerstört haben, liegt an seinem guten Charakter. Es hat sehr lange gedauert, bis er sich öffnen und Vertrauen fassen konnte– nach einigen medizinischen Behandlungen und einer Abmagerungskur über mehrere Wochen war er rank und schlank, aber verschreckt. Mein Mann als sein Betreuungspate bewies sein goldenes Hunde-Händchen und konnte ihn rasch beruhigen und entspannen.

Ein Betreuungspate im Tierschutzhaus hat die Aufgabe, Hunde zu begleiten und zu sozialisieren, bis sie jemand„adoptiert“. Mein Mann hatte in den ersten drei Monaten etwa 10 Hunde in seiner Obhut, mal für drei Wochen, mal für drei Tage. Nie vergessen werde ich unseren ersten Schützling, eine hellbraune Staff-Mischlingsdame namens Mona. Dann kamen alte, junge, große, kleine, freundliche, ängstliche, wilde und an jeden verloren wir ein bisschen unser Herz. Sehr zu Herzen ging uns die Begegnung mit zwei 12 Jahre alten Dackel-Seniorinnen namens Susi und Sandy, die jemand aus der Steiermark zu sich nahm, um ihnen einen schönen Lebensabend zu ermöglichen.

Unser letzter Patenhund war ein dreifärbiger Dackel-Corgi-Terrier-Mix namens Hank. Ich war verliebt. Hank ging, Fredi kam. Mein Mann schickt mir ein Foto vom neuen Patenhund. Ich schreibe: Fredi hat keine Chance! Als ich Fredi das erste Mal sehe, ist Hank (fast) vergessen. Er hat mit seiner schüchternen Art mein Herz erobert. Ich erfahre seine Vorgeschichte, was ihn noch liebenswerter macht. Ich beginne, meinen Mann zu bearbeiten, denn Fredi gehört zu uns. Ich setze Tränen und Versprechungen ein, die ich nicht ganz halten kann. Nach drei Wochen zieht Fredi bei uns ein und ist nun zu einem ausgeglichenen, selbstbewussten und glücklichen Hund geworden, den wir um nichts in der Welt mehr missen möchten.

© SusiBock 2020-11-10

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