Ein kühler Herbstmorgen

Lara1

von Lara1

Story

Ich weiß nicht … wieso ich herausgegangen bin.

Es war Herbst. Ich war verliebt.

Und er, er war es auch.

An diesem Tag gab es keinen Regen. Einzelne Wolken schmückten den Himmel und die Sonne schenkte uns ihre Sonnenstrahlen. Ich ging die mir so bekannte Straße runter. In meinen Ohren meine Kopfhörer. Die Welt schien so viel leichter, wenn mich Musik durch sie trug. Ich ging an alten Stadthäusern vorbei, ihre Farben jedes Jahr blasser, ihre Gemäuer immer brüchiger. Meine Hände waren in meinen Hosentaschen, in denen ich meine Schlüssel und eine Haarspange fühlte. Ich ging über orange, rote und noch grüne Blätter. Mein Weg führte mich immer weiter, bis hin zur kleinen Holzbrücke. Der klare Fluss zog einige Blätter mit sich. Ein Hund rannte zum Fluss, ein Junge ging hinter ihm. Während der Hund das Wasser trank, schaute der Junge auf ihn herab und beobachtete die vorbei schwimmenden Blätter.

Ich weiß nicht … wieso ich stehen geblieben bin.

An diesem Tag war die Welt etwas lebhafter als sonst. Etwas heller und etwas lauter. Ich stand immer noch auf der Holzbrücke, vorbeiziehende Menschen schauten kurz zu mir, doch folgten weiter ihrem Weg. Während meiner hier stoppte.

Auf einmal musste ich nirgendwo mehr hin. Hier war es wo ich sein wollte, nahe diesem Menschen, in genau diesem Moment.

Wind strich durch mein Haar. Ich ging einige Schritte weiter die Brücke entlang, bis meine Füße wieder auf festem Boden standen. Als ich zur Seite schaute, war der Hund schon weg, genauso wie der Junge. Ich seufzte in Gedanken und wollte gerade meine Kopfhörer anziehen als mich das freudige Gesicht eines großen dunklen Hundes überraschte, nur einige Meter von mir entfernt. Neben ihm, dieser fremde Unbekannte. Er stand vor mir und ich vor ihm. An der Holzbrücke an einem kühlen Herbstmorgen.

An diesem Tag sprach er mich an und die Welt schien etwas wärmer als sonst.

Nun ist es Winter und ich stehe an der Holzbrücke.

Eine zarte Frostschicht hat sich auf dem Holz gebildet. Der Himmel war grau, wie schon seit Tagen. Die einst so bunten Bäume waren kahl und ihre dünnen Äste ragten in die Höhe. Ich hielt meine Hände warm in meiner Jackentasche, drinnen noch ein Taschentuch und Kaugummi. Einzelne Schneeflocken vielen vom Himmel und landeten auf meinem Gesicht.

Jetzt stand ich hier, an einem kalten Wintermorgen, bis ich zwei Hundepfoten auf meinen Beinen spürte, die mich aus dem Gleichgewicht brachten. Es war der Hund vom Herbst, mit ihm der Junge. Der Junge, der mich jetzt anlächelte. Ich zog meine Hand aus der Jackentasche und nahm seine stattdessen. In diesem Herbst wurden wir von Fremden zu Freunden und noch vielem mehr. In diesem Winter waren wir zusammen.

© Lara1 2023-08-05

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Unbeschwert, Reflektierend, Entspannend