Ein toller KĂ€fer – the love bug

Walter Tiefenbacher

von Walter Tiefenbacher

Story

coverpicture © The Walt Disney Company

Es sollte mein erster Kinofilm sein. 1968. Da war ich gerade fĂŒnf Jahre alt. Mit meinem Papa. Im Schauraum seiner Tante stand eine Kopie des berĂŒhmtesten VW KĂ€fer aller Zeiten. Ganz in Weiß. Mit blau-weiß-roten LĂ€ngsstreifen. Und mit der legendĂ€ren Startnummer 53. War immer schon gerne bei dieser Tante. Sie hatte einen VW-Betrieb. Ich erinnere mich an diese Zeit und immer auch an die GerĂŒche. Der neuen Autos. Der druckfrischen Prospekte und Kataloge. Der Werkstatt. GerĂŒche können Erinnerungen an lange zurĂŒckliegende Erlebnisse wecken. Wohl kaum ein anderer unserer Sinne ist so unmittelbar mit dem Erinnern verknĂŒpft wie der Geruchssinn. Nun durfte ich mit meinem Papa endlich mal ins Kino. ‚Herbie – ein toller KĂ€fer‘ stand auf dem Programm. Konnte es kaum erwarten. Vor Filmbeginn bekam ich noch eine Sinalco Limonade und ein Salzspitz. Die Vorfreude stieg immer mehr. Dann nahmen wir die PlĂ€tze ein. Das Licht ging aus. Und dann der Moment als sich die große Leinwand hell erleuchtete und der Vorspann begann. Dann die Titelmusik. Ein etwas schrilles InstrumentalstĂŒck. Bleibt unvergessen. Und dann die Abenteuer von Herbie. Dem VW KĂ€fer mit so menschlichen ZĂŒgen. Ich war ganz entzĂŒckt, was der KĂ€fer alles konnte und wie schnell er war. Dieser mein erster Kinofilm hat mich ganz in seinen Bann gezogen und fasziniert. Und wenn ich heute wieder einmal wo zufĂ€llig die Titelmusik höre, sehe ich mich in dieses Kino zurĂŒckversetzt. Rieche es förmlich. Dieses damals schon eher alte Kino mit dem dunklen Holz und den rot ĂŒberzogenen Samtsitzen. Und der eigentĂŒmliche Geruch aus dem altehrwĂŒrdigen Holz, gebohnerten Riemenboden, Nuancen von Popcorn und das After Shave meines Papa’s. Pitralon. Sogar an den Werbeslogan kann ich mich erinnern. ‘Pitralon ist kein Duftwasser, aber es wirkt.’

Es war mein erster Kinofilm. SchlĂŒsselerinnerungen in einem Leben. Ich werde mir diesen Film wieder einmal ansehen. Irgendwo in den unendlichen Weiten des Internets werde ich schon fĂŒndig werden. Werde ihn mit meinem Enkel ansehen. Der erste Kinofilm meines Sohnes war ‚Polarexpress‘ mit Tom Hanks. Auch ein unvergessenes Erlebnis fĂŒr Papa und Sohn. Ja damals 1968 in diesem Kino. Ich rieche es immer noch. Mit meinem Papa. Bevor ich es vergesse. Mit meiner Tochter war ich das erste Mal im Kino bei ‘Glöckner von Notre Dame’. Quasimodo und Esmeralda. Eine besondere Liebesgeschichte. Und last but not least. Mit meiner Schwester. E.T. ein Klassiker. Ohne Worte. Der große Bruder mit der kleinen Schwester. Werde ich nie vergessen. Diese Momente der EntzĂŒckung meiner Schwester. Immer in meinem Herzen. Kann uns niemand nehmen. Diese Momente des GlĂŒcks. Was immer das weitere Leben auch mit sich gebracht hat. Wir dĂŒrfen diese GefĂŒhle immer in die Gegenwart holen. Um uns wieder zu versöhnen, zu verzeihen. La vita Ăš bella. Carpe diem. Und: Telefonieren nach Hause. (E.T.) Schaut auf auch Euch. Xund bleiben.

© Walter Tiefenbacher 2020-11-24