Es ist okay, nicht immer stark zu sein

Aamna Mashraj

von Aamna Mashraj

Story
Kassel

Manchmal fühlen wir uns Menschen erschöpft, und diese Erschöpfung geht tiefer als bloße Müdigkeit. Sie liegt nicht nur in den Knochen, sondern im Herzen. Es sind diese Tage, an denen wir glauben, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Vielleicht war es eine Gelegenheit, ein Wort, ein Moment, der uns entglitten ist. Und manchmal ist es nicht das Verpasste selbst, sondern dieses Gefühl, dass niemand uns wirklich versteht. Wir sprechen, doch unsere Worte scheinen ins Leere zu fallen. Wir lächeln, doch innerlich fühlen wir uns unsichtbar. Der Alltag kann schwer sein. Arbeit, Verpflichtungen, Erwartungen sie drücken uns nieder, als müssten wir ständig leisten, ständig stark sein, ständig funktionieren. Und irgendwo in all dem wächst dieser stille Druck: glücklich sein zu müssen. Glücklich, egal was passiert. Stark, egal wie viel es kostet. Doch das Leben ist nicht dazu da, uns eine Maske aufzusetzen. Es ist dazu da, uns in unserer ganzen Wahrheit zu erleben. Und diese Wahrheit lautet: Es ist nicht nötig, immer glücklich zu sein. Es ist erlaubt, zu zweifeln.
Es ist erlaubt, müde zu sein. Es ist erlaubt, schwach zu sein. Denn Schwäche bedeutet nicht Versagen. Sie ist kein Makel, sondern ein Teil des Menschseins. Unsere Momente der Schwäche zeigen uns, dass wir fühlen können, dass wir berührbar sind. Und genau darin liegt die Kraft. Wer nie fällt, kann das Aufstehen nicht begreifen. Wer nie Schmerz kennt, weiß den Trost nicht zu schätzen. Wer nie weint, versteht das Lächeln nicht in seiner ganzen Tiefe. Wir dürfen schwach sein, denn gerade darin liegt unsere wahre Stärke. Stärke ist nicht das ununterbrochene Strahlen, nicht das unerschütterliche Stehen. Stärke ist die Fähigkeit, nach jedem Sturz wieder aufzustehen. Vielleicht langsamer, vielleicht vorsichtiger, vielleicht mit Narben aber aufrecht. Jeder Sturz, den wir erleben, trägt uns ein Stück weiter. Er zwingt uns, innezuhalten, uns selbst neu zu betrachten, unser Herz besser kennenzulernen. Und wenn wir dann wieder aufstehen, sind wir nicht dieselben wie zuvor. Wir sind gewachsen. Wir haben gelernt, dass wir auch Dunkelheit überstehen können. Dass wir trotz allem weitergehen. Es ist keine Schande, Tränen zu haben. Keine Schande, an einem Tag zu sagen: „Ich kann nicht mehr.“ In Wahrheit ist es eine Form von Mut, das zuzulassen. Denn wer sich seine Schwäche eingesteht, trägt bereits die Kraft in sich, daraus wieder aufzusteigen. Wenn wir uns das erlauben, öffnen wir unser Herz auch für andere. Wir erkennen, dass nicht nur wir kämpfen. Jeder Mensch trägt Lasten, die uns oft verborgen bleiben. Und wenn wir unsere eigenen Schwächen akzeptieren, beginnen wir, mitfühlender zu werden, verständnisvoller, liebevoller mit uns selbst und mit der Welt. Darum: Du musst nicht immer stark wirken. Du musst nicht immer glücklich sein. Dein Wert liegt nicht in dauerhafter Perfektion, sondern in deiner Echtheit. Und diese Echtheit besteht aus Licht und Schatten, aus Freude und Schmerz, aus Lachen und Tränen. Vergiss nicht: Nach jedem Sturz liegt die Möglichkeit des Aufstehens. Und jedes Aufstehen macht dich stärker nicht, weil du unzerbrechlich bist, sondern weil du trotz deiner Zerbrechlichkeit weitergehst. Du bist nicht schwach, wenn du müde bist. Du bist nicht verloren, wenn du weinst. Du bist lebendig. Und in jedem Atemzug liegt die Kraft, neu zu beginnen. Darum vertraue: Deine Schwäche ist kein Ende. Sie ist ein Teil deiner Stärke. Und genau in ihr liegt die stille Schönheit deines Menschseins.

© Aamna Mashraj 2025-08-26

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Emotional, Hoffnungsvoll, Entspannend
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