von MISERANDVS
“Scheißdreck!”, maule ich, als im Tunnel die Anzeige auf 60km/h umspringt und die roten Lämpchen am Rand zu blinken beginnen. Jeden Tag Stau. Jeden! Wär ich bloß durch die Stadt gefahren! Ich seufze laut. Im Schneckentempo geht es voran. Neben mit brüllt sich einer mit einer Hayabusa ein. Die Idee war gut, aber weil von den Arschkrampen hier keiner eine Rettungsgasse bildet, kann der Reiskocher-Krieger nicht weiter zwischen den Spuren. Was nur an der Rettungsgasse so schwer ist? Und dann bekommen alle Panik, wenn ein Einsatzfahrzeug… Weiter komm ich nicht, denn von hinten kommt ein Einsatzfahrzeug, und alle bekommen die Panik. Das Bullen-Taxi kämpft sich blaulichtbrüllend mühsam voran, wechselt dabei über alle drei Spuren hin und her, weil…? Richtig! Keine Rettungsgsse. Und kaum ist der Streitwagen der Staatsgewalt außer Sicht, machen alle wieder dicht. Ich schüttle den Kopf. Ich kenn die Situation auch aus dem Inneren eines Rettungswagens, wenn sie mich ins SMZO gekarrt haben. Wieder mal. Und wie der Fahrer geschrien hat: “Fahr doch zur Seite, du dumme Sau!” Tja, die Zeit wird lang in so einer Kutsche, wenn dir vor Schmerzen die Luft wegbleibt und du hoffst, das Blaulicht an den Schallschutzwänden würd‘ sich endlich vorwärtsbewegen. Dem Nasenbohrer vorne ist das egal. Er fragt sich nur ab und zu: “Wos blinkt’n do imma so blau?”
Langsam geht es voran. Dann geht es schneller langsam voran. Und endlich geht es ganz flott langsam voran. Bis es plötzlich nicht mehr vorangeht, und die toupierte Eule in der weißen Schleuder neben mir mit den langkralligen Fingern vom Handydisplay rutscht, weil sie dem Kastenwagen vor ihr hinten reinknallt. Der hinter ihr, der grad die Spur wechseln will und deswegen brav über seine Schulter schaut, weiß nicht, was vor ihm liegt, findet es aber rasch heraus, als er der Handy-Dummbirne hinten reinditscht. Das macht er mit Schwung, weil der schräg hinter ihm ihn rüberlassen wollte, und er deswegen fest aufs Gas steigt.
Die Tür vom Eulen-Mobil fliegt auf, und die Fuchtel springt heraus, hysterisch schreiend, die Hände in der Luft schwenkend, und begehrt vom Hintermann Auskunft darüber, ob er denn blöde sei und wieso er nicht auf die Straße achte. Dass sie Auslöser der ganzen Misere ist, ist Nebensache. Auch die arme Sau vor ihr, die sie abgeschossen hat, interessiert sie nicht. Ich lache laut auf und raune kopfschüttelnd : “Leute gibbet!”
Sobald es geht, fahr ich ran, ruf die Blaulicht-Connection an, damit die einen schicken von der ASFINAG, der sich da helfend einbringt: “Nein, keine Verletzten. Nein, nur Blech. Richtung … was? Norden? Osten? Süden ginge auch? Ich hab keine Ahnung, ich bin doch kein Trapper! Fahrtrichtung Graz! Also eher Süden, meine ich. Und nehmen sie meine Daten auf als Zeuge bitte.” Denn mir ist klar: “Der Hinterste frisst immer die Krot.” Es sei denn, einer hat’s gesehen, meldet sich als Zeuge und rettet ihm den Arsch.
© MISERANDVS 2021-09-16