Feuerwerk zu Weihnachten

Margit Harasym

von Margit Harasym

Story
Wien 2024

Alljährlich und vorweihnachtlich prallen wir aufeinander in unserem geliebten Mikrokosmos aus Familie, FreundInnen, solchen, die aufgrund ihrer langen Zugehörigkeit zur Familie zählen, Ex-PartnerInnen und neu dazu gekommenen. Die wiederum ungläubig und erstmalig inbrünstig dargebotenen Weihnachtsliedern vorm geschmückten Weihnachtsbaum lauschen.

In allen Farben zischt und funkelt es. Charaktere, vielfältig, bunt und schillernd wie Christbaumkugeln, wie Bengalische Feuer. Eltern und Kinder, Cousins und Cousinen, Geschwister, die per Auto oder Zug angereist sind und mit schwerem Gepäck wieder den Heimweg antreten. Weit verstreute „Wasserfälle“ oder „Palmen“, so weit voneinander entfernt im Alltag, doch bei wichtigen Festen und Feiern immer vereint.

Wie trockene Zündsteine geraten wir aneinander, wohl wissend, dass die daraus resultierenden Girandolen an Erzählungen, Lachen und Heiterkeitsausbrüchen nach den Feiertagen wieder ihr Ende finden.

Daher werden auch die kleinen, nervigen Schrullen und Angewohnheiten des einen oder anderen einfach weggelacht.

Daunenjacken knistern heftig bei allzu stürmischen Umarmungen. Manche Rippe knackst ein wenig bei der festen Umarmung dieses einen Onkels, dessen Händedruck und Bass-Stimme an einen freundlichen Grizzly erinnern. Der wäre dann wohl so eine Art Feuerwerks-Kugelbombe.

Silber und golden anmutende Lachkaskaden ertönen in der glühweingeschwängerten Luft der Wohnzimmer. Anekdoten und liebgewordene Geschichten fliegen hin und her wie Sprühkerzen über festlich geschmückte Tische – die sich unter all den Köstlichkeiten biegen, die es nur zu Weihnachten gibt.

Die eine oder andere Träne fließt, weil einer nicht mehr da ist. Er wird nie wieder dabei sein und wird schmerzlich vermisst. Ein Komet am Winterhimmel. Aber die musikalische „Herberg-Suche“ bringt dann alle wieder zum Schmunzeln, denn einer von uns trägt sie sehr – sagen wir einmal „individuell“ – vor.

Aber auch die, die lieber ein bisschen die Stille suchen und nicht im Zentrum des oft recht lauten Geschehens sind, sind geliebt und willkommen, Leuchtsterne, die Gelassenheit vermitteln.

Geduldigen, (an)sturmerprobten GastgeberInnen gebührt besonderer Dank. Sie sind die rotierenden Sonnen, um die sich alles dreht. Und die nach den Feiertagen mit wohligem Seufzen die wiedergewonnene Ruhe genießen.

Keine Rohrkrepierer dabei, niemand mit zu kurzer Zündschnur, alles verläuft lautstark, aber friedlich, mit kulinarischen, musikalischen und audiovisuellen Highlights.

Und dann sind sie wieder vorbei, diese lauten, leisen Tage im Jahr. Wie ein Tischfeuerwerk. Jeder geht seines Weges, mit diesem kleinen, angenehm warmen Glimmen in der Magengegend. Und der Gewissheit, dass es spätestens nächstes Jahr ein Wiedersehen in ähnlicher Konstellation gibt.

© Margit Harasym 2024-12-26

Genres
Romane & Erzählungen
Stimmung
Herausfordernd, Emotional
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