Flying Standby

Leilani

von Leilani

Story

Als mir meine MĂ€dels am Flughafen in Jogginghose entgegenschlenderten, dachte ich nur “Shit ich hoff die nehmen uns mit”, um keinen unnötigen Stress zu verbreiten, behielt ich diesen Gedanken allerdings fĂŒr mich. Ihr mĂŒsst wissen, dass ich Flugbegleiterin bin und deshalb die Möglichkeit genutzt habe, fĂŒr uns extra billige Standby Tickets nach LA zu buchen. Der Haken, man kann nur mitfliegen, wenn PlĂ€tze frei sind. UND die Crew die Garderobe als angemessen empfindet, Jogginghosen entsprechen wohl eher nicht dem Dresscode. Weil ich meine Schwester und Freundin nicht vorgewarnt hatte, konnten sie davon allerdings nichts wissen. Am Ticketschalter sagte uns die nette Dame, dass der Flieger maßlos ĂŒberbucht ist und wir heut höchstwahrscheinlich nicht auf Urlaub fliegen wĂŒrden. Leicht gestresst aber nicht entmutigt schlenderten wir zum Gate, wo Leonie sofort Ihr Ticket mit Sitzplatz erhielt, wĂ€hrend meine Schwester und ich noch bangen mussten. Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, stellte ich eine Jumpseatanfrage, was bedeutet, dass man einen nicht genutzten Crewsitz bekommt, ohne TV, Tisch und bequemer Polsterung, was natĂŒrlich besonders toll ist, auf einem 12h Flug. Dann begann das Boarding, langsam lehrte sich der Wartebereich, bis nur noch wir ĂŒbrig waren, wir warfen einen letzten hoffnungsvollen Blick zur Dame am Gate die uns in allerletzter Sekunde mitteilte, dass die Crew die Anfrage akzeptiert hat und uns auf dem Jumpseat mitnimmt.

Puh die TĂŒren sind zu und wir sind drin, jetzt konnte nichts mehr schiefgehen. Um mir die Zeit zu vertreiben, besuchte ich meine Kollegen in der BordkĂŒche, die mich gleich mit Essen und GetrĂ€nken versorgten (Crew love is true love). Bald nahm mich die Purserin zur Seite und teilte mir mit ernster Miene mit, dass sie uns niemals mitgenommen hĂ€tte, wĂ€ren ihr die Outfits meiner Begleiterinnen aufgefallen. Peinlich berĂŒhrt, aber auch etwas genervt von der spießigen Kollegin, verzog ich mich wieder zurĂŒck auf meinen Sitzplatz. Am LAX gelandet und beim Immigrationofficer angekommen, wurden wie ĂŒblich unsere FingerabdrĂŒcke gescannt und Fotos gemacht. WĂ€hrend meine Schwester und ich das Prozedere möglichst schnell hinter uns bringen wollten, posierte Leonie gekonnt fĂŒr die Kamera, mit ernster Miene kommentierte der Beamte “Oh I see you trynna be an Instagram Model huh”. Weiter gings zum GepĂ€ckband, wo nur noch wenige Koffer ihre Runden drehten. Nach 20 Minuten stellten wir fest, einer von 3 hats nach LA geschafft. Zum GlĂŒck war es Leonies, die hat nĂ€mlich die coolsten Sachen.

© Leilani 2021-01-27

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