von Bernadette_Cuni
Frauen jagen nicht. Das liegt angeblich nicht in ihren Genen. So die gängige Meinung darüber, was Frauen mögen und wie sie zu sein haben. Aber diese Meinung ist überholt. Ich habe mal gelesen, dass neueste archäologische Entdeckungen und wissenschaftliche Studien gezeigt haben, dass Frauen sehr wohl Jägerinnen waren – große und erfolgreiche Jägerinnen, deren Gräber voller Schätze waren, um ihre Erfolge zu würdigen. Diese Erkenntnisse hat sich nicht etwa eine Frau ausgedacht, diese Erkenntnis kommt tatsächlich von einem Mann. Randall Haas Entdeckung von Jagdausrüstungen in weiblichen Gräbern aus der Jungsteinzeit sollte unser Verständnis der Geschlechterrollen in prähistorischen Gesellschaften nach 2020 revolutionieren – hat es aber nicht, wenn ich mich so umsehe.
Und vor über 20 Jahren wusste ich es umso weniger. Dennoch spürte ich sie, diese Jagdlust. Den Spaß an der Jagd im Dschungel der Großstadt, den Spaß mein Können einzusetzen, um zu jagen und zu erlegen. Aber das machen Frauen nicht. Das machen vor allem gute Frauen nicht. Das machen Frauen nicht, die einen Mann finden wollen. Das machen Frauen nicht, die gesellschaftlich anerkannt werden wollen. Frauen haben keinen Jadtrieb.
Als Frau wirst du gejagt. Als Frau bist du ein scheues, schönes und mysteriöses Reh, das gejagt und erlegt wird. Als Frau bist du aber auch nicht zu leicht zu jagen, denn dann macht die Jagd dem jagenden Mann keinen Spaß und er verliert das Interesse. Als Frau hast du beim gejagt werden auch keinen Spaß. Als Frau ist deine größte Bestimmung, Freude zu bereiten. Freude zu bereiten und gejagt zu werden und mit viel Glück von einem guten Jäger behalten zu werden. Und so habe ich meinen Bogen vergraben und aufgehört zu jagen noch bevor ich es richtig perfektioniert habe. Ich habe gelernt, dass die Jagd nicht für mich ist und dass ich besser als ruhiges Reh ein angepasstes Leben leben sollte.
Ich habe perfektioniert nicht ich zu sein.
Jetzt bin ich Angestellte, jetzt bin ich Ehefrau, jetzt bin ich Mutter.
Kleine gesellschaftliche Häkchen, in kleine gesellschaftliche Boxen.
Ein mich liebender Mann. Check
Ein passabler Job. Check
Ein toller Sohn. Check
Ich habe die letzten 10 Jahre das aufgebaut, was ich jetzt bin. Klarer Vorstadtdurchschnitt. Wir überlegen, ein Haus zu bauen. Schön Fertighaus, wie alle. Im Neubaugebiet, wo es mehr Familien geben wird, wie wir es sind. Mit Kindern, wie wir eins haben. Mit den Problemen, die wir haben. Welche Tapete? Welchen Urlaub? Welches Familien Auto? Welche weitere gesellschaftliche Box die es zu füllen gibt? Meine Erfüllung ist mein Job. Hier passiert was, hier kann ich jagen. Hier muss ich sogar jagen. Wenn ich nicht in Elternzeit bin.
© Bernadette_Cuni 2024-09-21