von PETER MANDL
Dem heutigen, von Taktik, Mammon und Korruption zerstörten Fußball fehlt eines: der Spaß. Wenn ich mich erinnere, wie der Harry Aurednik (Austria) den Max Merkel oder einen gewissen Ernst Happel (beide Rapid) am “Cornerfahndl” dreimalhin und her zappeln ließ, wenn der nämliche Happel dem eigenen Tormann Walter Zeman absichtlich ein Eigentor schoss und dafür eine Mordstrumm Watschen kassierte…
Tormann Franz Pelikan (Wacker) griff einst nach einem Ball in dessen Flugrichtung, drehte den Arm halbkreisförmig hinter seinen Rücken und warf “das Leder”, ohne es festzuhalten, diskusmäßig wieder ins Spielfeld. Der Herr Schiedsrichter pfiff: die Wuchtel hatte hinter dem Pelikangesäß die Torlinie überschritten. 0:1!
Mein Schulkollege Detlev “Teddy” Wiltschko, Mittelstürmer bei Simmering ( mein Lieblingsverein war bis zu seinem am grünen Tisch erzwungenen Abstieg fast immer in der 1.Liga) überdribbelte einmal elegant den gegnerischen Tormann, kniete sich- Blick gegen Mekka- nieder und schob die Kugel mit der Stirn über die Linie (Pfiff, Tor, allerdings Ausschluss wegen Verhöhnung des Gegners). National- Mittelstürmer Robert Dienst (Rapid) schupfte beim Einlaufen den Ball zu den Austria- Salzburg- Spielern mit der Bemerkung “do hobts, Buam, im Match sechts eahm eh nimmer”. Das erzählte mir nach Jahren mein Trainer beim ASV Salzburg, Franz Feldinger, ehemals berühmter Spieler bei der erwähnten Salzburger Austria (später ruiniert durch die Milliardärs- Ferslertruppe von Red Bull).
Der Schmäh rannte atemlos, es gab noch keine Profis, selbst die Nationalspieler waren berufstätig. Pepi Hamerl und Rudi Oslansky, Väter des legendären 7:0 des Sportclubs gegen Juventus Turin 1957 im Europacup, waren z.B. meine direkten (Zimmer-)Kollegen in der Pensionsanstalt. Die erfolgreichsten, wie Weltfußballer Ernst Ocwirk, Ernst Stojaspal, Pepi Stroh, bekamen vielleicht eine Tankstelle in Pacht oder konnten ein Sportgeschäft eröffnen.
Seinem Verein blieb man treu. Als Architekt Dipl.Ing. Gerhard Hanappi 1948 von Wacker zu Rapid wechselte, war ganz Wien, ja halb Österreich in Aufruhr. Sowas gehörte sich nicht! Dafür musste er dann das grünweiße Stadion bauen.
Auch die einschlägige Diktion war damals ganz anders. England war das Mutterland des Fußballs, also wurde in britisch- wienerischer Terminologie kommuniziert: Out, Corner, Reiberei („Referee“= Schiedsrichterball), Keeper, Outwachler(Linienrichter), Passes usw. Die hässlichen piefkenesischen Ausdrücke wie Ecke/Eckball, Ball im Aus, Beinschusss (Gurke), Hereingabe, Auflaufen, Spiel gegen den Ball (Draufgehn), Kopfball (Köpfler) usw. wurden höchstens in der Fox- Wochenschau oder von sonstigen Torstangen- Bewässerern gebraucht. In der Seele weh tut mir zum Beispiel, wenn ich gestandene Simmeringer wie Herbert Prohaska oder Toni Polster “Torhüter” sagen höre. Das heißt Goalkeeper oder -akademischer- Goalesel!
Lang, lang is‘ her!
© PETER MANDL 2022-12-16