Gesunder RĂĽcken

Doris Neidl

von Doris Neidl

Story

Alle paar Jahre nehme ich mir vor, wieder regelmäßig Yoga zu machen. Leider wird das meistens irgendwie nichts. Jetzt nach bzw. in Corona – Zeiten hat man ja den Corona – Speck angelegt und der RĂĽcken ist auch ganz rund vom Onlinealles.

Der Rücken, konkret die Bandscheiben, tun mir echt manchmal weh und da habe ich gesehen, dass die SVS Gesundheitswochen anbietet, nämlich „Gesunder Rücken“. Das kommt mir klass vor. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die oft über die SVS schimpfen, finde ich sie sehr gut. Ich kann mich nicht beschweren. Vor Kurzem habe ich einen Antrag auf eine Gesundheitswoche gestellt, die mir sofort bewilligt wurde. Heute habe ich eine detaillierte Liste geschickt bekommen, was ich alles mitzubringen habe. Gerade, dass sie nicht geschrieben haben, wie viele Unterhosen ich einpacken soll. Außerdem solle ich meine Hörgeräte, Gehbehelfe, Blutdruckmesser und meine Medikamente mitnehmen. Jetzt wird es mir doch ein wenig unheimlich.

Aber zurück zum Yoga. Gestern bin ich frischen Mutes in ein Yogastudio gegangen. An Yoga interessiert mich weniger die körperliche Ertüchtigung als das Spirituelle dahinter. Warum sollte ich mich in jede Richtung verbiegen können? „Gut beim Sex”, meint eine Freundin. Aber sind wir uns ehrlich, es gibt ja eh nicht gar so viele Positionen. Drei Stellungen in ihren Variationen. Das bekomme ich wahrscheinlich auch ohne Yoga hin.

Als ich noch jünger war, habe ich mir oft Vorträge von Erwin Ringel angehört. Ringel hat in einem solchen erzählt, dass ihn einmal jemand bei einer Party gefragt habe: „Wo sind sie denn?“ Und er hat geantwortet: „Bei mir selbst.“ So stelle ich mir das mit Yoga vor. Bei sich selbst sein.

Also ich bin ins Yogastudio gegangen und alle waren ganz hell und freundlich und hatten weiße und gelbe Yogahosen an. Ich kam mir schon ein bisschen wie der Partykiller vor mit meinem von Kopf bis Fuß schwarzen Outfit. Ich wollte mir schon die Lippen rot anstreichen, damit ich ein wenig fröhlicher wirke, habe es aber dann doch gelassen.

Als wir dann begonnen haben, gemeinsam zu meditieren und wir “Shanti, Shanti, Shanti, Friede, Friede, Friede“ singen mussten, musste ich mir das Lachen verkneifen. Ich kam mir vor, wie in einem Woody-Allen-Film. Ich glaube auch, dass ich in einer Seniorenstunde gelandet war, weil wir mussten nur alle zehn Minuten ein Bein heben. Das kam mir eh sehr gelegen, weil mir die zwei Cheeseburger und die Portion Pommes, die ich vorher bei Mc. Donald’s gegessen hatte, schon ganz schön im Magen gelegen sind. Auf alle Fälle war ich nach der Yogastunde gut gelaunt und habe Yogatee und gluteeeeenfreies Essen bekommen. Ich habe mir jetzt einen Zehnerblock gekauft. On verra! Friede.

© Doris Neidl 2021-08-27