von Claudia Schmitt
Zwischen 2012 und 2015 befand ich mich in Behandlung bei einem approbierten Psychotherapeuten. Was als Hilfe gedacht war, entwickelte sich schrittweise zu einem Missbrauch des AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnisses zwischen Therapeut und Patientin.Von Beginn an kamen sexualisierte Kommentare, die in keinem therapeutischen Kontext Platz haben. Er sagte SĂ€tze wie: âDicke Frauen haben wenigstens groĂe BrĂŒsteâ oder âDu kannst ruhig den BH weglassenâ. Anfangs war ich blind, spĂ€ter zunehmend verstört. Diese Worte kamen nicht aus einem privaten GesprĂ€ch, sondern aus einem geschĂŒtzten Raum, in dem eigentlich Heilung stattfinden sollte.
In jeder Stunde kam es zu Grenzverletzungen, die er unter dem Deckmantel therapeutischer Methoden tarnte: körpernahe Behandlungen, sogenannte âRegressionstechnikenâ, mit Ăl, Musik und der Aufforderung, sich an kindliche ZustĂ€nde zu erinnern â eine vermeintliche Form der Zuwendung. TatsĂ€chlich jedoch diente all dies der Befriedigung seiner eigenen BedĂŒrfnisse. RĂŒckblickend lĂ€sst sich das Verhalten eindeutig als Missbrauch klassifizieren.
Ich dokumentierte die VorfĂ€lle in TagebĂŒchern, Kalendern. Erst nach mehreren Jahren wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Es kam zu einer Verurteilung Bis heute, trotz schon Ende 2015 angezeigt und Hausdurchsuchung im Januar 2016. Ist nicht erfolgt, keine berufsrechtliche Aufarbeitung, keine Reaktion seitens der zustĂ€ndigen Approbationsbehörde. Obwohl schon 2016 die LPK anregte, die Approbation mindestens ruhend zu stellen, was die Schutzpflicht gewesen wĂ€re. Eher der Entzug hĂ€tte verpflichtend sein mĂŒssen, wie in anderen vergleichsweise harmlosen FĂ€llen. Besonders erschĂŒtternd war fĂŒr mich, und das Kind, das lange Ausbleiben staatlicher Reaktionen. Obwohl es sich, wie in meinem Fall, um Offizialdelikte handelte
Der Schutz vulnerabler Patientinnen wurde dem Schutz des Systems untergeordnet. Der Therapeut fĂŒhrte offenbar weitere sexuelle Kontakte parallel zu unserer Therapie â ungeschĂŒtzt, ohne AufklĂ€rung. Einmal zeigte er sogar Krankheitssymptome. Ich lebte ĂŒber Jahre hinweg in der Angst, mich infiziert zu haben â und noch mehr davor, mein Kind zu gefĂ€hrden. Auf meine Sorgen reagierte er nicht, im Gegenteil: Er verspottete sie. Diese Form emotionaler VernachlĂ€ssigung und Ausbeutung lieĂ mich an meiner Wahrnehmung zweifeln.
Ich suchte UnterstĂŒtzung beim Anwalt, Hausarzt, wendete mich an die LPK diese zeigte den Fall sofort an und es existierte schon im Oktober 2015 ein Aktenzeichen bei der StA, zustĂ€ndig die OberstaatsanwĂ€ltin. Wie es so lange zum erstinstanzlichen Prozess dauern konnte, wirft Fragen auf. Juni 2018 Urteil AG. Heute weiĂ ich: Schweigen schĂŒtzt die Falschen. Ich schreibe dieses Buch nicht aus Rache, sondern aus Verantwortung â um aufzuklĂ€ren, um andere zu ermutigen, nicht zu verstummen. Missbrauch im therapeutischen Setting ist real, und Betroffene haben das Recht, gehört zu werden â von der Gesellschaft, von der Justiz, den Behörden zu oft versagen im Patientenschutz
© Claudia Schmitt 2025-05-07