Hab ich das Zeug zum Alpenrapper?

Gerhard Maier

von Gerhard Maier

Story

Die gereimten Sätze haben es mir nie so angetan, dass ich mich vor lauter Faszination nicht mehr fassen konnte. Darum schreibe und lese ich ja auch bei story.one und nicht bei poem.one.

Brauch ich ein Gedicht, weil ich glaube, jemand möchte mit einem Vers bedacht werden, dann nehme ich mir den Heinz Erhardt zur Hand und schreib von ihm was ab.

Möchte ich einer sehr fleißigen Biene in meinem Umfeld verbindlichsten Dank aussprechen, dann nehme ich von Erhardt beispielsweise: Immen, Bienen, Sumseriche, wenn sich wer mit euch vergliche, der verdient, dass man ihn töte, dass zumindest er erröte. Und das war’s dann schon.

Wenn ich mit jemanden sehr gut zusammengearbeitet habe, dann ziehe ich Erhardts Gedicht >Bilanz< zur Hand und die Bilanz endet dann so: Wir meisterten sofort, was uns erregt, mit Herz und mit Verstand. Wenn man sich das richtig überlegt, dann war das allerhand. Und der Partner kennt sich aus, schmunzelt und ist zufrieden.

Natürlich habe ich mich auch mit Lyrik beschäftigen müssen, ohne die kriegt man keine Deutsch-Matura. Bei sechs Jahren Latein ist auch der eine oder andere Hexameter dabei, an dem man nicht vorbeikommt.

Aber dass die Deutsch-Matura problemlos geklappt hat, verdanke ich meiner weitgehend akzeptablen Rechtschreibung und den Aufsätzen, die mir schon nach wenig Schütteln aus dem Ärmel gefallen sind.

Ehrlich gesagt, bin ich dabei des Öfteren knapp an einer Themenverfehlung vorbeigeschrammt, weil sich meinen Lesern und Zensoren die Zusammenhänge oft nicht sofort erschließen. Mein Blick auf Situationen kann oft sehr skurril sein.

Obwohl, ganz versfrei muss auch ich nicht leben. Ich habe entdeckt, dass die deutschen Übersetzungen der altnordischen Havamal irgendwie nach Rap klingen. Die Sprüche wurden in Stabreim geschrieben und klingen auf Deutsch zum Beispiel so: Nicht so gut, wie mancher glaubt, bekommt dem Körper der Met. Der Mensch, der maßlos trinkt, ist nicht mehr Herr seiner Sinne.

Für meine Alpenrap-Sammlung forme ich dann so Sätze, wie: Ins Tal starrt wütend die Herde, ihre Hintern starren vor lauter Dreck. Wo ist der Melker mit den kalten Händen, er kommt immer zu spät.

Oder: Das Schaf bäht auf der Wiese, blind von Fransen kann’s nicht sehen. Wohin sich drehen, bläht blind der Bock seine Nüstern. Wer schert die Schafe? Wer sich um mich schert, frag ich dich.

Wie gesagt, ich bin kein Dichter. Aber hab ich wenigstens das Zeug zum Alpenrapper? Heinz Erhardt ist das lyrische Element in die Wiege gelegt worden, so schreibt er, dass er schon in der Wiege „dichter“ werden wollte.

© Gerhard Maier 2020-08-24

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