Heimkommen II

Josy Hell

von Josy Hell

Story

Am Ende der Straße befand sich ein Haus, dass sich so ganz von den anderen unterschied. Graue Fassade, ein Dach, dass schon lange nicht mehr dicht war und ein Garten, indem die Pflanzen über die Beete hinweg wuchsen. Es ließ sich nicht leugnen, dass der Besitzer dieses kläglichen Anwesens niemand anderer war, als der Mann. So wie ein Hund ihren Besitzern ähnlich sehen, so war es mit diesem Haus. Das Gatter stand offen und als er den schmalen Treppenabsatz erreichte, bröckelte Beton ab. Die einst grüne Haustür war ebenfalls nicht verschlossen. Der Geruch nach kaltem, nassen Gemäuer und abgestandener Luft stieg ihm in die Nase, während er den Flur betrat. Vasen mit verwelkten Blumen schmückten die vielen kleinen Schränke. Er ließ die Tür hinter sich geöffnet und steuerte die Küche an. Alles, was er dort vorfand, war ein Stück Graubrot. Ein Segen. Mit großer Sorgfalt zerkaute er das letzte bisschen und spülte die Krümel mit einem Hals Wasser hinunter. Anschließend machte er es sich in dem abgesessenen Sessel im Salon bequem. Erst mit der Entspannung seiner Glieder überkam ihm die Erschöpfung. Die Rast, die er so sehr nötig hatte. „Darling, bist du das?“, fragte eine zarte Frauenstimme. Der Mann schrak zusammen. Margarethe. Das konnte doch nicht möglich sein. Eine Gänsehaut ergriff ihn und seine Handflächen wurden feucht. Selbst der Versuch sie an der Hose trocken zu reiben half nicht. „Ja, du bist es! Du bist nach Hause gekommen“, die Stimme war jetzt ganz nah. „Ich glaube, ich bin nicht ganz bei mir“. Seine Worte verließen nur mühsam seinen Mund, während sein Herz wie wild gegen den Brustkorb schlug. Mit einem Mal schien der Raum den Mann beinahe zu erdrücken. Die Bilder an den Wänden, voll mit Erinnerungen von zwei liebenden Menschen. Jahrzehnte gefüllt mit Augenblicken purer Zufriedenheit, liefen wie in einem Film an ihm vorbei. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Denn er weiß, wie er ausgeht. Die Sequenzen fingen an zu flackern, bis sie plötzlich zum Stillstand kamen. Es gab kein Oben und unten. Kein Raum noch Zeit. Hilflos versuchte er sich an dem Ring an seinem Finger festzuklammern.


„Vertrau mir Darling. Du bist genau da, wo Du sein sollst“, flüsterte seine Frau und die Stille umschlang ihn.

© Josy Hell 2024-10-10

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