Heute werde ich es schaffen

Lina Uhl

von Lina Uhl

Story

Heute werde ich es schaffen! Ja, heute wird mein Tag sein! Ich blickte in den Spiegel und nickte mir ermutigend zu. Die Jacke angezogen, Schuhe zugebunden und die Tasche in die Hand genommen. Ich ging ins Wohnzimmer. „Kann ich etwas Geld haben?“ Meine Eltern sahen mich an. „Wofür?“ „Es ist einfach wichtig“ Mein Vater schüttelte den Kopf „Wofür brauchst du das Geld? Und wo willst du überhaupt hin?“ Ich sah auf den Boden. Anscheinend kam ich nicht drum herum. Ich atmete ein und wieder aus. „Zum Schwimmbad. Heute mache ich Bronze!“ „Bist du dir sicher?“ „JA! Alle in meiner Klasse haben schon Bronze nur ich nicht.“, entgegnete ich. „Wirklich? Letztes Mal warst du so enttäuscht.“ „Doch heute schaffe ich das!“ „Okay, sollen wir dich fahren oder mitkommen?“ Ich sah zu meinen Eltern und dann zu meiner Tasche. „Nein, danke. Ich muss das heute alleine machen. Ich nehme mein Fahrrad.“ „Okay. Dann viel Erfolg“, erwiderte mein Vater schließlich. „Du wirst das bestimmt schaffen. Wir glauben an dich.“, stimmte meine Mutter zu. Sie stand auf und gab mir einen 20-Euro-Schein in die Hand. „Bis später.“ Ich steckte das Geld ein, drehte mich um und verließ das Haus. Eine viertel Stunde später kam ich im Schwimmbad an. Ich kaufte mir eine Karte. Mit etwas mulmigem Gefühl betrat ich die Umkleide. Meine Sachen verstaute ich im Schließfach. Der Wegweiser zu den Duschen hing über mir. Nein danke, die Dusche ist zu kalt. Ich öffnete die Tür und betrat die Schwimmhalle. Mir war irgendwie komisch, aber ich konnte es nicht beschreiben. Mir wurde flau im Magen und ich bekam etwas Angst. Nein, mir geht es gut. Das ist alles gar nicht so schlimm. Heute ist mein Tag. Heute werde ich es schaffen. Den Blick ließ ich schweifen, beobachtete die anderen Leute und sah dann zum Bademeister. Entschlossen ging ich auf ihn zu. „Hallo, ich möchte heute Bronze machen.“ Er sah mich an. „Alles klar. Warte kurz hier. “ Ich nickte. Den Blick richtete ich auf den Boden. „So, jetzt können wir starten.“ Ich erschrak. „Okay“ „Also dann erklär mir mal ein paar Baderegeln.“ Das tat ich bisher es hieß: „Vielen Dank, das reicht“ „Als Nächstes musst du nun Schwimmen. 200 Meter in 15 Minuten, verstanden?“ Ich nickte. Die Angst war immer noch da, aber ich war dabei sie zu verdrängen. Schwimmen kann ich. Heute werde ich es schaffen und auch Bronze haben. Ich ging ins Becken. Wartete auf das Startsignal. Es erklang. Ich schwamm und schwamm. Blendete alles um mich herum aus. Als ich fertig war stand ich wieder im flacheren Teil des Beckens. „Das war schon mal gut.“, lobte der Bademeister „Nun kommt das Tauchen. Ich werfe gleich hier einen Ring ins Wasser und du muss ihn wieder hochholen. Verstanden?“ „Ja“ Nun würde der schwerste Teil kommen. Tauchen ist schrecklich insbesondere, wenn man dann noch seine Augen Unterwasser öffnen sollte. Einfach alles andere ausblenden. Heute schaffe ich das. Ja ich schaffe das, ich kann das.  Ich sah wie der Ring ins Wasser viel und auf dem Boden landete. Tief holte ich Luft und tauchte hinab. Erst griff ich blind nach dem Ring, dann öffnete ich meine Augen, schnell griff ich zu und stieß mich nach oben ab. Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf. Fast fertig. Ich verließ das Becken. „Das war sehr gut. Jetzt musst du nur noch vom Sprungturm springen und dann hast du es geschafft.“ Ich ging zum Sprungturm und stellte mich auf das Brett. Ich sprang und schloss meine Augen.

© Lina Uhl 2024-04-25

Buchkategorie
Romane & Erzählungen
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd, Hoffnungsvoll, Inspirierend, Challenging
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