Homeschooling und andere Katastrophen – 3

Maya Müller

von Maya Müller

Story

Ja, das Homeschooling. Damit sollte ich bald noch meine liebe Freude haben. Zunächst einmal kam… nichts. Rein gar nichts. Die Schulhomepage war tot, wir bekamen keine Infos, außer, dass die Kanzler bald tagen würden. Atemschutzmasken wurden fleißig genäht. Schließlich hielt man noch nicht viel von den medizinischen Mundschutzen. Wir warteten geduldig und gleichzeitig hatten wir alle noch nicht begriffen, was das eigentlich hieß: Homeschooling. Wir sollten es bald erfahren.

Denn ungefähr eine Woche nach den Schulschließungen bekamen wir unsere Schulplattform und die Informationen. Beziehungsweise was man unter Informationen verstehen kann. Wir bekamen eigentlich nur einige Sätze zugeschickt, in denen im Grunde stand, dass die Schulen bis auf Weiteres geschlossen waren. Auf absehbare Zeit. Welche Zeit? Bis auf Weiteres? Aber uns blieb gar nicht die Zeit zum Nachdenken, denn danach kamen die Aufträge. Und damit wurde Homeschooling zur Katastrophe.

Eigentlich fing es ganz harmlos an. Bitte bis dann und dann abgeben. Ich werde die Aufträge benoten. Diese Sätze waren wir schnell gewöhnt. Aber dann wurde es schlimmer. Jeder Lehrer wählte ein anderes Datum. Jede Abgabe umfasste mehrere Seiten. Nebenfächer wurden zu Hauptfächern, während Hauptfächer sich ins Unermessliche steigerten. Zeit kannten wir eigentlich nicht mehr. Und dann stürzte auch noch die Schulplattform regelmäßig ab.

Aber das war nur eine Katastrophe von vielen. Meine Oma beschloss, zu Hause zu bleiben, komplett isoliert. Wir auch. Wir durften uns ja nicht mit Freunden treffen. Abgesehen davon, dass gar keine Zeit dafür bleiben würde. Stattdessen wurden andere Probleme deutlich. Familienprobleme. Ich bemerkte das daran, dass wir uns häufiger stritten. Meine Schwester nervte mich den ganzen Tag, obwohl ich eigentlich an meinen Aufträgen arbeiten musste. Meine Mama ging ins Homeoffice und arbeitete den ganzen Tag. Mein Papa hatte Glück im Unglück und musste nicht um seine Existenz bangen, wie viele andere.

Ich fing an, zu einer Maschine zu werden. Jeden Tag das Gleiche und dazu keine zwischenmenschlichen Kontakte. Irgendwann wurde mir klar, dass das so nicht weitergehen konnte. Ich rief Freundinnen an, ging Sport mit ihnen machen und hielt Abstand. An die Masken hatte ich mich längst gewöhnt. Ich fing auch an, abends die Nachrichten zu schauen. Jetzt kann ich die Nachrichtensprecher auch aufzählen. Linda Zerwakis. Jens Riva und Jan Hofer. Und jedes Mal aufs Neue dachte ich, dass sie alle es bestimmt nicht leicht hatten. Jeden Tag schlechte Nachrichten zu verkünden. Trotzdem, ich blieb geduldig. Nahm es mit Optimismus. Und wartete.

© Maya Müller 2021-03-08

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